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Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Antigua: Kolonialstadt zwischen den Vulkanen

Umgeben von teils aktiven Vulkanen liegt das Kolonialstädtchen Antigua auf ca. 1550 m.ü.M.. Dort wandern wir durch die Gässchen, geniessen heisse Schokolade, besteigen den Acatenango, staunen ab den Eruptionen des Fuego Vulkans und ruhen uns von den Strapazen aus.

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  • Alex & Fabienne
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Klares Wetter und Blick auf den Vulkan Agua durch den Arco de Santa Catalina, bei dem früher Nonnen ins andere Gebäude wechseln konnten, ohne auf die Strasse zu müssen.

Willkommen in Antigua

Nach einem langen Tag im Bus von Lanquin bis Antigua waren wir froh, endlich bei unserem kleinen aber süssen Hostel angekommen zu sein. Wir gingen früh ins Bett und genossen das kostenlose Frühstück aus French Toast, Früchten und Haferbrei. Eine Free-Walking-Tour (die trinkgeldbasiert und somit doch nicht ganz gratis sind) gab uns am ersten Tag einen Überblick über die Geschichte Antiguas, das einst die Hauptstadt von Guatemala war. Wir erkundeten den Markt mit seinen vielen verwinkelten Wegen. Nachdem wir von vielen Standbetreiberinnen fast angeschrien wurden, bei ihnen etwas zu essen, machten wir einen Halt bei der am wenigsten aufdringlichen Guatemaltekin. Das vegetarische Menü bestand aus Reis, Bohnenmus, Guacamole und gekochtem Gemüse, wovon wir nicht alles erkannten aber alles als gut befunden haben. Danach besuchten wir ein Schokolade-Museum, wo wir unter anderem einen Tee aus den Kakao-Hülsen probieren konnten. Auch ein Halt in einem Café für einen Cappuccino und eine heisse Schokolade durfte nicht fehlen. Antigua wurde 1773 fast völlig durch ein Erdbeben zerstört. Wir besuchten eine Kirche, hinter der noch Ruinen der Vorgänger-Kirche zu sehen waren. Die vielen süssen Läden mit traditionellem Handwerk fesselten unsere Aufmerksamkeit auch lange. Am Abend kochten wir das erste Mal in Guatemala selbst, da wir endlich in einem Hostel mit Küche waren. Den nächsten Morgen verbrachten wir faul im Hostel. Am Nachmittag liefen wir hoch zum Aussichtspunkt Cierro de la Cruz. Von dort blickt man über das Städtchen und sieht den Vulkan Agua. Danach gingen wir an den Informationsanlass der Agentur, die uns am nächsten Tag auf den Acatenango jagen würde. Wir mieteten noch etwas Ausrüstung und deckten uns mit Snacks für die Wanderung ein. Da wir schon um 6.30 Uhr wieder in der Agentur sein mussten, gingen wir früh ins Bett.

Höllenqualen auf dem Weg zum Acatenango

Müde aber voller Vorfreude assen wir mit der 30-köpfigen Gruppe unser Frühstück, bevor wir etwa eine Stunde mit dem Bus zum Fuss des Acatenangos fuhren. Dort mieteten wir Holzstöcke und schauten zu, wie etwa 2/3 der Gruppe ihre Rucksäcke gegen Bezahlung an Einheimische abgaben, welche diese dann zum Basecamp tragen würden. Wir waren schon am Vorabend gewarnt worden, dass die Wanderung von Anfang an sehr steil sein würde. Unsere Rucksäcke waren schwer, da wir das Wasser für die ganze Wanderung mittragen mussten (ca. 4-5L). Die Sonne brannte erbarmungslos auf die Felder, durch die der Weg führte.

Der Weg war mehr ein Graben zwischen den Feldern als ein klassicher Feldweg.
Der Weg war mehr ein Graben zwischen den Feldern als ein klassicher Feldweg.

Der Schweiss begann zu fliessen und die Höhe machte sich bemerkbar. Nur mit sehr wenigen und kurzen Pausen kämpften wir uns den Vulkan hinauf. Im Wald wurde es merklich kühler, aber mit der schnell zunehmenden Höhe wurde besonders für Fabienne das Atmen immer schwerer.

Im dichten Wald geht es weiter Steil nach oben
Im dichten Wald geht es weiter Steil nach oben

Sie konnte die schöne Landschaft leider überhaupt nicht geniessen und befürchtete schon, die Wanderung abbrechen zu müssen. In der Mittagspause war endlich genug Zeit, dass unser Puls auf Normalzustand kommen konnte. Das letzte Stück ging dann schon einiges leichter, da es auch einiges flacher war und kaum noch steil hoch ging. Nach 7km Distanz und 1100hm erreichten wir innerhalb von etwa 5h Wanderzeit das Basecamp auf 3500 m.ü.M. Die Aussicht auf den aktiven Vulkan Fuego beraubte uns schon wieder unseres Atems und fast die ganze Gruppe schaute ehrfürchtig den Rauchschwaden zu, die alle paar Minuten hochstiegen.

Rauchender Fuego während dem Sonnenuntergang
Rauchender Fuego während dem Sonnenuntergang

Kleine Eruption nach Sonnenuntergang, sowie die Stirnlampen der Wanderer auf den Fuego
Kleine Eruption nach Sonnenuntergang, sowie die Stirnlampen der Wanderer auf den Fuego

Ein Grossteil der Gruppe entschied sich dann dazu, eine Zusatzwanderung zu machen: 300hm runter ins Tal zwischen den beiden Vulkanen, auf der anderen Seite wieder 300hm hoch auf einen Sattel des Fuegos plus das ganze wieder zurück. Wir entschieden uns dazu, unsere Energie für den nächsten Tag aufzusparen. Der Sonnenuntergang war auch vom Camp aus spektakulär. Die Eruptionen waren im Dunkeln nochmals beeindruckender und wir sahen die Lava in die Luft schiessen und an den Seiten des Vulkans herunterfliessen.

Es ist dunkler, der Fuego spieh reichlich Lava aus und noch immer waren Leute auf dem Sattel unterwegs.
Es ist dunkler, der Fuego spieh reichlich Lava aus und noch immer waren Leute auf dem Sattel unterwegs.

Die Spaghetti zum Abendessen im Schein der Stirnlampe waren erstaunlich lecker. Dick eingepackt standen wir ums Feuer und beobachten einen der aktivsten Vulkane der Welt. Wir machten uns wieder früh bettfertig und kuschelten uns in die Schlafsäcke in unserer Holzhütte. Leider wurde es für alle eine kurze und unruhige Nacht. Im Liegen spürten wir teils einen Druck auf der Brust. Die Strassenhunde, die uns bis ins Camp gefolgt waren, veranstalteten einen Riesenradau. Immer wieder hörte man das Grummeln der Vulkanausbrüche, die wir dann durch das Fenster beobachten konnten und natürlich schnarchte ein Gruppenmitglied in unserer Hütte lautstark. Schlussendlich riss uns der Wecker um 3.30 Uhr aus dem Dämmerschlaf.

Eine der grösseren Eruptionen, die wir sehen konnten. Jeder Ausbruch war faszinierend!
Eine der grösseren Eruptionen, die wir sehen konnten. Jeder Ausbruch war faszinierend!

Hier als Video

Freudentränen und schmerzende Knie

Verständlicherweise ziemlich müde und nur halb erholt, schulterten wir unsere kleinen Gymbags (anstelle des Grossen Rucksacks) mit Wasser, Snacks und Extraschichten und machten uns auf den letzten Aufstieg. Der Weg führte unter anderem über Felder aus losem Vulkangestein. Für jeden Schritt vorwärts rutschte man gefühlt zwei wieder zurück. Weiter oben blies ein eisiger Wind, der es einem sogar schwer machte, die Wanderstöcke richtig zu platzieren. Entgegen unserer Erwartung schafften wir es, getrieben von den Guides, rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf den Gipfel. Die Aussicht über die hügelige Landschaft war unglaublich und der Stolz, trotz aller Strapazen am Ziel angekommen zu sein, liess das eine oder andere Auge feucht werden. Schlotternd schossen wir einige Erinnerungsfotos, bevor wir schon wieder zum Aufbruch gedrängt wurden. Die deponierten Holzstöcke wurden dann leider von anderen Leuten mitgenommen und wir haben wohl dann ihre erwischt, jedenfalls war er definitiv nicht mehr gleich gut in Schuss wie das erste Set. Der Rückweg war schneller als der Aufstieg und wir flogen fast über die Vulkangesteinfelder. Dafür wurden wir mit Schuhen, gefüllt mit Steinen und schwarzem Sand, belohnt.

Eine kleine Hörprobe, wie stark der Wind auf dem Gipfel war

Zurück im Camp packten wir unsere Sachen und frühstückten. Auf dem Rückweg ins Tal nahmen wir einen leicht anderen, aber nicht wenigen steilen Weg. Auch hier gab es nur wenige Pausen und wir fühlten uns schon ziemlich gestresst. Wenigstens war der Abstieg weniger anstrengend und wir konnten die Landschaft viel mehr geniessen. Mit zunehmender Erschöpfung sank unsere Konzentration und wir rutschten immer wieder Mal ein bisschen aus. Am Ende unserer Kräfte erreichten wir das Dörfchen, wo uns der Bus wieder abholen würde. Zurück in Antigua gönnten wir uns ein Taxi zur Unterkunft. Frisch geduscht fühlten wir uns wie neugeboren und konnten uns daran machen, die Kleider vom schwarzen Staub zu befreien und unsere Schuhe zum x-ten Mal auszukippen.

Wir assen in einem veganen Restaurant Burger und Sushi und schliefen innerhalb von 10 Sekunden im weichen Bett ein.

Energielos das Wetter geniessen

Der Wecker riss uns etwa um 07:00 Uhr aus dem Schlaf, da Nadina heute abreisen würde und wir uns schweren Herzens noch von ihr verabschieden wollten. Ihre Reise geht in Bolivien weiter, während wir, wieder auf uns alleine gestellt, weiter durch Guatemala und Mittelamerika reisen werden.

Nach dem Frühstück legten wir uns in die Hängematten, welche im kleinen aber feinen Innenhof des Hostels zu finden waren. Wir hörten Podcasts und Musik oder dösten ein wenig vor uns hin, bis uns der Hunger plagte, und wir ein Café in der Nähe suchten. Leider waren wir zu spät dran und die Küche hatte bereits zu, so gabs statt einem richtigen Mittagessen einen süssen Snack mit einer heissen Schoggi. Gut gestärkt hörten wir draussen laute Musik, ähnlich einer Guggenmusig. Wir folgten den Klängen und landeten in einer Parade von Jugendlichen, welche nach und nach vorbeizgoen und ihre Tanz- und Musikkünste zur Schau stellten. Anhand der Bekleidung merkten wir schnell, dass sie aus ganz Guatemala hier herkamen. Es schien wohl auch eine Art Wettkampf zu sein. Einige der Bands hatten locker über 60 Musizierende. Die meisten hatten viele Blasmusiker:innen, Perkussion und meist eine unterschiedlich grosse Gruppe von Tänzerinnen. Einige der Tänzerinngen trugen weite Röcke, die im Takt geschwungen wurden, andere wirbelten Stöcke umher und andere stachen durch ihre weihnachtlichen Outfits heraus.

Eine der grössten Gruppen an diesem Umzug
Eine der grössten Gruppen an diesem Umzug

Da wir noch mehr Bargeld benötigten, konnten wir dies am Hauptplatz, wo die Parade stattfand, auch gleich erledigen. Zu unserem Glück fanden wir einen Anbieter (BAC), der KEINE weiteren Gebühren belastet sowie eine höhere Bezugslimite hat, als die anderen. Zum Vergleich: Die Limite bei den 5B Automaten, ist Q2000 (ca. 225 CHF) und die verlangen eine Gebühr pro Abhebung von Q64 (ca. 7 CHF!), unsere Bankgebühr noch nicht hinzugerechnet. Da die Sonne langsam unterging und auch der Muskelkater der Wanderung immer stärker wurde, gingen wir zum Hostel zurück, um uns wärmer anzuziehen.

Am Abend assen wir in einer magischen Bar/Café/Restaurant. Dort gab es Speisen und Getränke mit mythischen und magischen Namen. Wir assen Vollmondpasta und tranken farbwechselnde Limonade und Cocktails mit spannenden Namen (Werwolfstonic und Liebestrank). Alles war köstlich und die Atmosphäre sehr gemütlich.

Am Tag des Brotfestivals (leider fanden wir erst beim Warten auf das Taxi heraus, dass es stattfand) machten wir uns auf den Weg nach Quetzaltenango. Die Stadt, für die heute noch meist ihr Maya-Name Xela verwendet wird, liegt im Hochland. Wir nahmen für diese Strecke die lokalen Busse, Chicken Bus genannt, statt viel Geld für einen Touristenshuttle auszugeben. Wieso wir uns nie wieder über das schweizerische ÖV System beklagen werden, lest ihr im nächsten Beitrag.

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

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