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Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Flores und Tikal: Insel im See und riesige Maya Ruine versteckt im Dschungel

Unser erster Versuch, die Grenze nach Guatemala zu überqueren scheitert. Unsere Odysee geht in El Remate endlich zu Ende. Das Abenteuer geht aber sofort weiter und wir machen einen Ausflug auf die Insel Flores. Unsere Unterkunft ist am anderen Ende des Lago Petén-Itzá und der perfekte Ausgangspunkt, um die riesige Maya-Stätte Tikal zu erkunden, die sogar einen Auftritt in der Star Wars Saga hatte.

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  • Alex & Fabienne
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Flores vom Boot aus

Guatemala ist schwer zu erreichen!

Wie im letzten Beitrag angekündigt, geht’s nun weiter nach Guatemala, was uns dann zwei Tage später als geplant gelang.

Unser Shuttle von San Cristobal De Las Casas sollte uns eigentlich in knapp 10h über die Grenze nach Quetzaltenango (kurz: Xela) in Gutatemala bringen. Wir warteten bereits um 6:00 Uhr über eine Stunde darauf, abgeholt zu werden. Wir quetschten uns dann als letzte in den Kleinbus und versuchten es uns für die nächsten Stunden gemütlich zu machen. Leider kamen wir nach etwa 3h Fahrt über holprige Strassen nicht mehr weiter. Drogenkartelle bekämpften sich in der Grenzregion nahe des Übergangs Las Champas(Mexiko)/La Mesilla(Guatemala). Aus Sicherheitsgründen hatte die lokale Bevölkerung die Strasse zur Grenze gesperrt. Wir harrten einige Stunden aus, in der Hoffnung doch noch weiterfahren zu können. Am Nachmittag erhielten wir dann von unserem Chauffeur die Nachricht: Heute kämen wir nicht mehr nach Guatemala. Der nächste Grenzübertritt ist mehrere Stunden entfernt und bis da wäre die Grenze bereits für das Wochenende geschlossen. Also kehrten wir um und fuhren zurück nach San Cristobal. Dort angekommen mussten wir uns um eine Unterkunft für die Nacht kümmern, die wir aber schnell finden konnten.

Wir überlegten hin und her, welche Option für uns die beste sein könnte. Eine andere Möglichkeit war, noch zwei Tage in San Cristobal zu geniessen und die gleiche Route am Montag nochmals zu probieren, in der Hoffnung, dass die Kartelle bis dann ihren Streit beilegen können. Wir entschieden uns dann aber dafür am Tag darauf, mit dem Colectivo nach Palenque (wieder via Route 199) zu fahren und von dort aus einen Shuttle direkt nach Flores, im Norden Guatemalas, zu nehmen. So würden wir wir etwas Zeit gewinnen und uns einmal einen 9h Shuttle von Xela nach Flores sparen.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir Alex’ Beobachtung, dass wir auf dem Weg von San Cristobal nach Palenque eine andere Route nach Ocosingo (Umsteigestation zum zweiten Colectivo auf halbem Weg) nahmen, als das letzte Mal bei der Hinfahrt, was auch der 20 Pesos höhere Preis als letztes Mal erklären würde. Kurz vor Ocosingo sah Alex dann, wie der Fahrer bei drei bis vier Locals am Strassenrand anhielt, kurz paar Worte austauschte und einer der Locals danach ein Nagelbrett von der Strasse wegzog und die Fahrt weiterging. Es war ein Samstag, evt. gab es auf der Hauptroute eine Blockade. Die Fahrer wussten wahrscheinlich davon und nahmen deshalb die etwas längere Route. Dies ist jedoch eine reine Vermutung und wir fanden keine weiteren Infos darüber, ob es wirklich so war. Fabienne schlief übrigens und bekam nichts von alldem mit.

Die Odysee geht weiter

Wir passten unsere Route in Guatemala an, buchten unsere Unterkünfte um und bestiegen den nächsten Kleinbus. Der Grenzübertritt gelang ohne Zwischenfälle und wir wurden herzlich in Guatemala willkommen geheissen. Kurz vor der Dämmerung kamen wir in Flores an, wo wir zuerst Bargeld abheben mussten. Die guatemaltekischen Banken verlangen wahnsinnig hohe Gebühren für Kartenzahlungen, weshalb man oft nur bar zahlen kann (oder mit etwas Glück per Karte, dafür mit 5-15% Zuschlag!). Wir hatten erst im Bus gemerkt, wie weit El Remate, wo unsere Unterkunft lag, von Flores entfernt ist. Da der Shuttle uns nicht weiterfahren würde, stopften wir all unser Gepäck und uns drei in ein kleines TukTuk und fuhren zur Colectivo-Station. Diese liegt mitten in einem Markt, der um diese Uhrzeit aber schon ziemlich ruhig war. Wir erwischten das letzte Colectivo des Tages und fuhren durch den Regen los. Leider merkten wir bei der Ankunft 50min später, dass die Rucksäcke und Koffer, die auf dem Dach transportiert wurden, nicht mit einer Plane geschützt wurden und so völlig durchnässt waren. Dazu mussten wir im Dunkeln noch 20min am See entlang im Regen zur Unterkunft laufen. Die Stimmung war entsprechend angespannt. Jede Welle am Seeufer wurde zu einem Krokodil und die wenigen Menschen die uns begegneten waren auf unser Geld/Leben aus. Trotz aller Sorgen kamen wir unversehrt an, konnten rasch einchecken und ein kühles Bier bestellen.

Kurzer Ausschnitt der dunklen Fahrt im Regen nach El Remate

Flores zu Fuss und per Boot erkunden

Wir holten endlich etwas Schlaf nach. Da wir die durchnässten Kleider abends noch zum Trocknen ausbreiteten, kamen wir erst spät ins Bett. Wir stärkten uns mit einem leckeren Frühstück im Restaurant und spazierten kurz nach Mittag wieder in Richtung der Hauptstrasse. Im Tageslicht merkten wir, wie schön die Gegend war und wie sehr unsere Fantasie am Vorabend mit uns durchging. Auf dem Weg wurden wir von einem übermütigen Hund begleitet, der sich wohl irgendwo losgerissen hatte. Er wurde immer wieder von Strassenhunden angekläfft, die ihr Revier verteidigen wollten. Unser Begleiter folgte uns bis zur Bushaltestelle und unterhielt uns prächtig. Da lange Zeit kein Colectivo vorbeikam, wurden wir von einem Tourbus mitgenommen, der noch Platz hatte.

Da es zuvor viel regnte, ist der äussere Weg von Flores unter Wasser
Da es zuvor viel regnte, ist der äussere Weg von Flores unter Wasser

Wir schlenderten bei strahlendem Sonnenschein durch die Gässchen von Flores und bestiegen den Hügel mit der Kirche in der Mitte der Insel. Da die Rückfahrt nach El Remate per Boot zu teuer und weit gewesen wäre, entschieden wir uns für eine Rundfahrt über den See. Die bunten Häuschen der Insel leuchteten geradezu in der langsam untergehenden Sonne. Der junge Bootsführer entpuppte sich als leidenschaftlicher Reiseführer und erzählte uns Legenden aus der Region. Er gab uns Tipps für den schönsten Badestrand am See, und berichtete uns vom traditionellen Fischfang.

Ein Baum wächst aus einem anderen Baum hinaus
Ein Baum wächst aus einem anderen Baum hinaus

Wir kauften uns noch eine SIM-Karte, um wieder Internetzugang zu haben, und machten uns mit dem Colectivo auf den Rückweg. Am Ufer des Sees sahen wir dann sogar noch Glühwürmchen!

Flores sieht vom Boot viel schöner aus
Flores sieht vom Boot viel schöner aus

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Auf nach Tikal!

Wieder war früh aufstehen angesagt! Um 5.30 Uhr fuhren wir durch neblige Wälder in Richtung Tikal.

Der Hautplatz von Tikal
Der Hautplatz von Tikal

Hier ein kurzer Abriss: Der Nationalpark ist mit 575 km2 gewaltig gross! Nur schon im zentralen Teil der uralten Stadt befinden sich 3000 Gebäude, welche die Maya bereits um 900 v.Chr. zu bauen begannen. Im 9. Jahrhundert wurden die meisten der riesigen Tempel gebaut. Tikal war ein wichtiges zeremonielles, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum im Maya-Reich und beherbergte mit den umliegenden Agglomerationen bis zu 200‘000 Menschen. Wie andere Maya Komplexe wurde Tikal Ende des 9. Jahrhunderts plötzlich verlassen. Der Dschungel eroberte sich das Gebiet zurück und versteckte die Tempel. Hernan Cortes, der spanische Eroberer soll daran vorbeigeritten sein, ohne etwas von der Existenz der Stadt zu erahnen. Erst 1848 wurden die Ruinen gefunden und in den 1950er und 60ern restauriert. Es wird geschätzt, dass erst 30% der Gebäude überhaupt entdeckt wurden.

Turm IV von unten
Turm IV von unten

Wir kamen drei Minuten vor Öffnung des Parks an. Trotz der Schlange am Eingang verteilten sich die Besuchermengen rasch und wir wanderten fast den ganzen Morgen alleine durch den Dschungel. Breite und schmale Wege führten von Komplex zu Komplex. Wir sahen viele verschiedene Tiere, darunter Brüllaffen, Schmetterlinge, Mistkäfer mit ihren winzigen Mistkügelchen, Eichhörnchen, einen Nasenbär und verschiedene Vögel und Raupen. Leider sahen wir keine Jaguare, Tukane oder wilde Truthähne. Dafür verfolgte uns das Geschrei der Brüllaffen den ganzen Besuch. Verschiedene Strukturen konnten auch bestiegen werden, entweder über neue Holztreppen oder über die durch Moos und Feuchtigkeit wahnsinnig rutschigen Steintreppen. Die Aussicht von ganz oben über den Dschungel war überwältigend! Grün so weit das Auge reicht, ab und zu durchbrochen von den Spitzen der Tempel, die über die 40m hohen Baumkronen herausragen. Der höchste Tempel bietet mit 65m einen grossartigen Weitblick über den Dschungel. Von einem dieser Tempel aus wurde auch eine Szene aus Star Wars Episode IV gefilmt(Youtube).

Aussicht von Turm IV aus
Aussicht von Turm IV aus

Die Temperaturen waren zum Glück noch gut erträglich, auch wenn sich die Luftfeuchtigkeit bemerkbar machte. Über den ganzen Tag verteilt legten wir über 20‘000 Schritte zurück, da die einzelnen Strukturen weit voneinander entfernt liegen. Der gewaltige Ballspielplatz in Chichén Itzá hatte uns schon beeindruckt. In Tikal aber wurden drei, dafür etwas kleinere Pelota-Plätze direkt nebeneinander gebaut. Sie wurden nicht ausgegraben und restauriert. Dank der vielen Maya-Ruinen, die wir auf unserer Reise schon gesehen haben, konnten wir uns aber gut vorstellen, wie sie aussehen könnten.

Ein anderer Turm mit Moos überwachsen
Ein anderer Turm mit Moos überwachsen

Völlig erschöpft und mittlerweile auch verschwitzt freuten wir uns, die wichtigsten Gebäude gesehen zu haben. Schadenfreudig machten wir uns über die erst jetzt ankommenden Besucher lustig, die wohl einiges mehr leiden würden als wir. Bis zur Rückfahrt assen wir noch im Restaurant zu Mittag, da wir am Morgen nur leichte Snacks gegessen hatten.

Zusammen die Aussicht geniessen
Zusammen die Aussicht geniessen

Ausruhen und Sonnenuntergang

Nach unserer Rückkehr genossen wir den schönen Garten unserer Unterkunft, lasen und machten ein Nickerchen. Wir schafften es dann gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenuntergang am See zu bestaunen. Viele Restaurants hier haben einen kleinen Steg mit Tischen und Bänken gebaut. Genau auf so einem tranken wir Bier und kauften einer Frau mit ihren Kindern ein Tütchen Chips ab. Danach assen wir in einem etwas merkwürdigen Restaurant, wo ausser uns nur die Köchin anwesend war, eine Pizza.

Aussicht in El Remate auf den See
Aussicht in El Remate auf den See

Unser nächster Halt ist Lanquín. Das kleine Städtchen liegt wieder eine Tagesfahrt entfernt und ist ziemlich abgelegen. Warum wir dort hin wollen, erfahrt ihr im nächsten Beitrag!

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

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