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Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Honduras: Regenzeit auf Karibikinseln

Gute zwei Wochen verbringen wir an der Karibikküste Honduras. Wir machen einen Tauchkurs und schalten damit eine komplett neue und erkundbare Welt frei. Wir merken, dass die Regenzeit hier ein bisschen anders liegt. Gezwungenermassen verbringen wir über 24h im Bett, bevor wir die Insel erkunden können.

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  • Alex & Fabienne
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Ho Ho Ho zu Weihnachten und wir stossen mit einem Bier aus der Tanke an!

Grenzübertritt: Willkommen in Honduras

Unser Shuttle fuhr frühmorgens in Rio Dulce, Guatemala, los und brachte uns mit vier anderen Backpackern nach La Ceiba in Honduras. Der Fahrer wuchs in Miami auf und sprach darum perfekt Englisch, was die Fahrt sehr lustig machte. Immer wieder informierte er uns, wo er einen Schleichweg kannte und dass er uns dadurch 30min Stau erspart hatte, während er sich kichernd wie ein kleiner Junge darüber freute. An der Grenze hatten wir Pech und mussten wegen zwei Reisebusse, die vor uns ankamen, fast eine Stunde in der Schlange anstehen.

Als wir endlich an der Reihe waren, gaben wir dem Beamten unsere Pässe inkl. Bestechungsgeld (wie der Busfahrer uns geraten hatte). Leider verlangte der Beamte eine Art Gesundheitsdokument, weil wir kürzlich in Mexiko waren. Wir rannten also durch den strömenden Regen zum Container, wo angeblich die Krankenschwester sein sollte. Trotz unseres Polterns an die Türe machte niemand auf. Zwei Polizisten schauten uns gelangweilt zu und halfen uns schlussendlich, in dem sie ans Fenster klopften. Die Frau wollte uns partout keinen Zettel geben und behauptete nur, ihre Schicht sei zu Ende und sie sei nicht zuständig. Wir sprinteten also wieder zurück und fragten unseren Busfahrer um Hilfe. Er fand die Krankenschwestern, wir zeigten unsere Impfpässe und hatten den begehrten Schmierzettel bald in der Hand. Wir drängten uns vorne in die Schlange, beantworteten ein paar Fragen und erhielten den Stempel im Pass. Wir sprangen zurück in den Bus und fuhren los. Einige hatten die Fähre schon für den gleichen Tag gebucht, weshalb wir etwas in Eile waren. Dank weiterer Abkürzungen kamen wir früh genug in La Ceiba an.

Der grösste Schock der Reise

Beim Einchecken bemerkte Fabienne, dass ihre Bauchtasche inklusive Portemonnaie weg war. Wir durchwühlten alles, fanden aber nichts. Wir riefen im Hotel am Rio Dulce an, vielleicht war es da liegengeblieben? Fehlanzeige. Den Shuttlefahrer konnten wir nicht direkt kontaktieren, weshalb wir die Agentur kontaktierten. Diese musste lange auf eine Antwort warten, konnte uns nach einigen Stunden aber auch nur einen negativen Bescheid geben. Nachdem Fabienne am Lago Atitlán bereits drei Karten sperren musste, waren nun auch die restlichen zwei und die Identitätskarte weg. Diese Frustration, in Kombination mit der unheimlichen Umgebung, dem Fehlen eines funktionierenden Bankomaten in der Nähe liessen unsere Laune auf den Tiefpunkt sinken. Wenigstens konnten die Karten in der App schnell gesperrt und neu bestellt (natürlich in die Schweiz) werden und Alex hatte noch alle seine Karten. Wir einigten uns beim Abendessen darauf, auf Utila zur Polizei zu gehen, um die ID als vermisst zu erklären und dort einen Bankomaten zu suchen.

Pupusa für Fabienne (unten im Bild) und eine Baleada gefüllt mit Avocado und Ei oder Poulet für Alex (oben) und dazu unser Lieblingsgetränk: Jamaica
Pupusa für Fabienne (unten im Bild) und eine Baleada gefüllt mit Avocado und Ei oder Poulet für Alex (oben) und dazu unser Lieblingsgetränk: Jamaica

Ankunft auf Utila und eine Überraschung

Am nächsten Morgen standen wir früh auf, um ein Taxi zum Hafen zu nehmen. Im November war eine der beiden Brücken über den Fluss bei einem Unwetter zerstört worden, weshalb in La Ceiba jetzt ein riesiges Verkehrschaos herrscht. Der Taxifahrer verlangte deshalb einiges mehr als normal für die Fahrt. Wir kamen aber rechtzeitig an und das Boarding begann auch rasch. Wir waren erstaunt, dass die Sonne durch die Wolken durch kam (Spoiler: würde sie danach nicht mehr oft). Eine knappe Stunde später kamen wir in Utila an, wo ein TukTuk auf uns wartete und uns zum Mango Inn brachte. Unterwegs hielten wir bei einem Bankomaten an. Zu unserem Erstaunen kam uns Timo entgegen. Der Deutsche sass mit seiner Freundin Lorena im gleichen Shuttle wie wir. In seiner Hand hielt er Fabiennes Bauchtasche. Die beiden hatten die schwarze Tasche im Bus gefunden. Da wir keine Kontaktdaten ausgetauscht hatten, konnten sie uns keine Nachricht schicken und beobachteten den Fährhafen von ihrer Unterkunft aus, um uns abzufangen, da sie wussten, dass wir ebenfalls nach Utila kommen. Wir verabredeten uns für den Abend zu einem Cocktail und konnten uns viel entspannter auf den Tauchkurs freuen.

Nach dem Einchecken im Mango Inn bezogen wir unser Viererzimmer und erledigten den Papierkram in der Tauchschule. Zum Abendessen gönnten wir uns eine exorbitant teure Pizza, bevor wir Lorena und Timo in einer Beachbar zu ein paar Margaritas trafen. Wir plauderten den ganzen Abend und bemerkten gar nicht, dass die Bar eigentlich schon länger schliessen wollte.

Der Schinken zur Tauchtheorie inkl. Eigenwerbung für PADI, dass meiste wird aber in den Videos vermittelt, die stark an die 90er erinnern
Der Schinken zur Tauchtheorie inkl. Eigenwerbung für PADI, dass meiste wird aber in den Videos vermittelt, die stark an die 90er erinnern

PADI Open Water Tauchkurs

Am Nachmittag ging endlich der Tauchkurs los. Julie aus Belgien lebt seit 5 Jahren auf Utila. Sie würde uns in die Welt des Tauchens einführen und dies am Mesoamerikanischen Riff, dem Zweitgrössten der Welt. Zu unserer Gruppe gehörten noch Lies aus den Niederlanden, Maria aus Kanada und Chris mit seinem Vater Craig aus den USA. Am ersten Tag sahen wir ausser dem Regen keinen Tropfen Wasser aus der Nähe. Wir durften uns wahnsinnig spannende Videos im Theorieraum anschauen und einige Fragen dazu beantworten. Am zweiten Tag lernten wir, wie man die Tauchausrüstung für einen Tauchgang kontrolliert und zusammensetzt. Danach quetschten wir uns in die Neoprenanzüge, montierten die Ausrüstung und stiegen in den Pool. Dort bekamen wir ein Gefühl für das Atmen unter Wasser. Danach übten wir den ganzen Tag verschiedene Fähigkeiten wie das Entleeren der Maske, das Wechseln vom Hauptatemregler zur alternativen Luftversorgung oder verschiedenen Handzeichen zur Kommunikation unter Wasser und wir simulierten verschiedene Notfälle.

Endlich mal ein wenig Sonne nach 4 Tage im beinahe Dauerregen
Endlich mal ein wenig Sonne nach 4 Tage im beinahe Dauerregen

Den dritten Kurstag verbrachten wir im Pool (weil die Sicht im Meer wegen des Wetters miserabel war) und im Theorieraum. Am vierten und fünften Kurstag ging es dann endlich ins Meer. Wir waren sehr aufgeregt! Es war ein unbeschreibliches Gefühl, das erste Mal fast 10m unter der Wasseroberfläche zu sein und entspannt weiteratmen zu können. Auch im Salzwasser mussten wir zeigen, dass wir die im Pool und Theorieraum gelernten Fähigkeiten beherrschten: z.B. unsere Maske abnehmen und wieder aufsetzten oder einen schwimmenden Notaufstieg. Zudem übten wir das Navigieren mit einem Kompass. Nach dem letzten Tauchgang mussten wir noch beweisen, dass wir 200m ohne Auftriebsmittel schwimmen konnten. Nach jedem Tauchgang im Meer trugen wir die Eckdaten und Beobachtungen in ein Tauchheft ein. Als feierlicher Abschluss des Kurses bekamen wir ein T-Shirt der Tauchschule und machten ein Foto.

Weihnachten 2024

An Heiligabend durften wir an zwei Fun Dives teilnehmen, wo wir viele schöne Korallen, bunte Fische und einen schlafenden Rochen sahen. Am Abend veranstaltete die Tauchschule ein kleines Fest für alle Angestellten und Tauchschüler:innen. Alle brachten etwas zu essen mit, die Auswahl war riesig. Auch wenn nicht wirklich besinnliche Weihnachtsstimmung aufkam, war dies trotzdem einer der speziellsten Feiertage die wir bisher hatten.

Einige Häuser hatten viel Weihnachtsdeko dran, dies toppte aber alle anderen!
Einige Häuser hatten viel Weihnachtsdeko dran, dies toppte aber alle anderen!

Am Weihnachtstag packten wir unsere Rucksäcke und fuhren mit der Fähre auf die Nachbarinsel. Das Meer war ziemlich unruhig und wir fühlten uns ein wenig wie auf einer Achterbahn. Zum Glück dauerte die Überfahrt nur eine knappe Stunde und wir kamen heil auf Roatan an. Roger, der Besitzer unserer Unterkunft holte uns am Hafen ab und brachte uns in das kleine Dorf. Schon bei der Recherche hatten wir gemerkt, dass das Preisniveau auf dieser Insel einiges höher war. Viele amerikanische Touristen kommen hierher und täglich halten gigantische Kreuzfahrtschiffe, um eine Horde Touristen auf die Insel zu lassen. Das lässt die Preise natürlich schnell explodieren. Das Haus von Roger ist klein und verlottert, die Küche hatte nicht einmal eine Herdplatte und das Wasser in der Dusche floss nicht in einen Abfluss, sondern versicherte irgendwo zwischen Boden und Wand. Naja, für ein paar Nächte würde es ausreichen.

Vieles selbst gebastelt direkt am Meer, jedoch war Roger sehr freundlich und lustig
Vieles selbst gebastelt direkt am Meer, jedoch war Roger sehr freundlich und lustig

Unsere erste Lebensmittelvergiftung

Am Abend assen wir im einzigen Restaurant, das in der Nähe war. Grosser Fehler. Fabiennes Tomatenpasta war wohl nicht nur mit Liebe gekocht und sie erbrach sich in der Nacht stündlich. Am nächsten Tag schlief sie fiebrig und konnte fast nichts essen. Alex kümmerte sich um sie und vertrieb sich die Zeit mit Eishockey: Der Spengler Cup wurde also auch auf Roatan verfolgt. Am Tag darauf kehrten ihre Lebensgeister langsam wieder zurück und wir konnten am Nachmittag mit den Taxi ins nächst Städtchen West End fahren. Dort mieteten wir einen Roller für unseren letzten Tag auf der Insel. Alex vergnügte sich auf einem ausrangierten Boot mit Seilen zum Schwingen, während Fabienne am Strand las. Auf der Fahrt zurück in die Unterkunft begann es auf den letzten Metern zu regnen und wir schafften es noch nicht ganz durchnässt ins Trockene.

Rollerfahren macht Spass

Wir machten uns bei Zeiten auf den Weg, um möglichst viel vom Tag zu haben. Auf der Hauptstrasse fuhren wir in den Westen der Insel. Dieser Teil ist weniger zugebaut und nicht so viele Touristen verirren sich hierhin. Wir fuhren durch die kleinen Dörfer und landeten immer wieder mal auf schlammigen unbefestigten Wegen. Da die Insel ziemlich hügelig ist, hatten wir immer wieder eine tolle Aussicht auf das türkis-blaue Meer und die saftig grünen Wälder. Auch das Wetter spielte endlich mit und wir wurden mit viel Sonne verwöhnt.

Die Kindergärtnerin in Fabienne begutachtet den verrosteten Spielturm
Die Kindergärtnerin in Fabienne begutachtet den verrosteten Spielturm

Am Nachmittag machten wir einen Halt am bekanntesten Strand der Insel in West Bay. Zu Beginn war er noch sehr voll, aber als die Tagestouristen zurück auf ihre Kreuzfahrtschiffe gingen, leerte es sich immer mehr. Wir brachten den Roller zurück nach West End, freuten uns über den farbigen Himmel zum Sonnenuntergang und gönnten uns Tapas in einem Restaurant.

Wiedermal einen schönen Sonnenuntergang in West End
Wiedermal einen schönen Sonnenuntergang in West End

Der lange Weg nach El Salvador

Aus Zeitgründen entschieden wir uns, das Festland von Honduras zu überspringen und dafür mehr Zeit in El Salvador zu verbringen. Dafür brachte uns die Fähre zuerst zurück nach La Ceiba, wo wir im gleichen Hotel eine Nacht verbrachten. Am frühen Morgen holte uns der Shuttle ab und wir fuhren nach San Lorenzo, ganz im Süden von Honduras, zwischen Nicaragua und El Salvador. Dort übernachteten wir, bevor es weiter nach El Salvador gehen würde. Wir rechnen mit gut 20 Tagen im kleinsten Land Mittelamerikas, das als offizielle Währung den US-Dollar und Bitcoin verwendet und längst nicht mehr so gefährlich ist, wie es einmal war.

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

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