Lago Atitlán: Magische Dörfchen am See umgeben von Vulkanen
Der Lago de Atitlán ist der zweitgrösste See in Guatemala und umgeben von drei Vulkanen: Tolimán, Atitlán und San Pedro. Man hat daher ein wunderschönes Panorama, egal in welchem der kleinen Dörfchen am Ufer des Sees man sich befindet. Wir verbringen fast zwei Wochen in dieser magischen Gegend.

- Alex & Fabienne
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Panajachel und die Kreditkartendiebe
Wir erreichen, mit dem Chicken-Bus aus Xela her kommend, als erstes die Stadt Panajachel. Den anscheinend ziemlich spektakulären Sonnenuntergang verpassen wir leider knapp, weil wir einen Glücksgriff mit unserem Hostel gelandet haben. Die Duschen liefern genug Wasser mit ordentlich Druck und die Kajütenbetten sind bequem, mit zwei Kissen und einer richtigen Decke ausgestattet und können dank einem Vorhang fast vollständig abgedunkelt werden. Der Willkommensdrink in der Strandbar war auch eine nette Überraschung.
Leider sind Fabiennes Kreditkarten irgendwo unterwegs gekapert worden und nach einigen Versuchen schafft sie es, ihre Bank zu kontaktieren. Insgesamt 3 Karten müssen gesperrt und ersetzt werden - was für ein Ärger! Zum Glück haben wir uns noch in der Schweiz mehrere Karten von verschiedenen Anbietern zugelegt und sind so trotzdem noch flüssig. Um horrende Telefonkosten aus dem fernen Ausland zu vermeiden, bittet eine Vertrauensperson in der Schweiz mit euch ein Whatsapp, Signal, Viber oder ähnlichen Anruf zu tätigen und mit einem zweiten Telefon die Nummer der Bank zu wählen, legt die Telefone zusammen, evt. mit Lautsprecher, und schon könnt ihr gratis in die Schweiz anrufen. Das wahre Problem ist ja, das Banken und Co. keine Internettelefonie Funktion oder ähnliches haben…
Nachdem die Karten genüsslich zerschnitten und entsorgt wurden, stiegen wir in eine Lancha. Das sind kleine Motorboote, welche die Dörfer am Ufer des Sees miteinander verbinden. Für insgesamt CHF 5.- fahren wir etwa eine halbe Stunde, halten in mehreren Dörfern an und kommen schliesslich in San Marcos La Laguna an.
San Marcos und die Hippies
San Marcos ist nur ein kleines Dorf. Viele behaupten, es sei einer der spirituellsten Orte in der Welt. Viele Yogis haben sich hier niedergelassen, in den Gassen riecht es nach Räucherstäbchen, es gibt viele vegetarische Restaurants und Cafés und an jeder Ecke wird Schmuck und bunte, lockere Kleidung verkauft. An Meditations- und Yoga-Möglichkeiten fehlt es natürlich auch nicht.
Wir verbrachten unsere zwei Tage hauptsächlich auf der Dachterrasse unseres Hostels. Die gemütlichen Hängematten und Matrazen, kombiniert mit der Aussicht auf den See, machten sie zum perfekten Ort zum Entspannen. Alex hatte sich eine heftige Erkältung eingefangen und war auch nicht ganz bei Kräften, weshalb wir Wanderungen und geführtes Yoga sein liessen. Wir hatten dafür viel Zeit um zu lesen, endlich Unterkünfte für Weihnachten und Neujahr zu buchen und die Seele etwas baumeln zu lassen. Seit längerem hatten wir wieder einmal eine Küche und konnten jeden Tag selbst kochen. Dabei kam endlich die Rösti-Raffel, die wir in Oaxaca gekauft hatten, wieder einmal zum Einsatz. Wir entdeckten auch eine Bäckerei, die wirklich gutes Brot verkaufte. Manchmal merkt man erst, wie sehr man etwas vermisst hat, wenn man es wieder hat.
Völlig erholt stiegen wir in eine Lancha, die uns ein wenig weiter nach San Pedro La Laguna brachte.
San Pedro und das verrückte Spanisch
Für gut eine Woche wohnten wir in San Pedro bei der Familie Mendez. Beim ersten Frühstück am Montag morgen, war auch ein uns bekanntes Gesicht am Tisch. Es ist Nils aus Deutschland, ihn haben wir auf der Acatenango Wanderung kennengelernt und sind nun in der gleichen Gastfamilie; wie klein die Welt doch sein kann. Während der Mahlzeiten übten wir, was wir während vier Stunden täglich im Spanischunterricht gelernt hatten. Es war schon verlockend, mit den anderen Gastschüler:innen auf Deutsch oder Englisch zu plaudern, aber wozu wohnten wir denn in einer Gastfamilie? Leti, unsere Gastmutter war eine begnadete Köchin. Sie hatte früher ein Restaurant mit ihrem Mann und man merkt, dass sie gerne kocht. Jeden Tag ging sie auf den Markt und kaufte frische Früchte und Gemüse. Das Essen war sehr abwechslungsreich und schmeckte immer sehr gut.
Da unser Unterricht erst am Nachmittag stattfand, hatten wir am Morgen Zeit, unsere Hausaufgaben zu machen und die Umgebung zu erkunden. Wir spazierten den Hügel hoch zu einem Aussichtspunkt und belohnten uns mit Cheesecake, Bananenbrot und heisser Schokolade in einem Café für die Anstrengung. An einem anderen Tag fuhren wir im TukTuk ins benachbarte San Juan de la Laguna. Dort nahmen wir an einer kleinen Führung teil, wo wir viel über die einheimischen Bienen von Mittelamerika lernten. Wir konnten die verschiedenen Bienenstöcke anschauen, Honig von verschiedenen Bienenarten probieren und kauften am Schluss eine Honigseife und ein Honigbier, was leider nur mässig lecker war. Wir waren überrascht, dass viele der Bienenarten hier keinen Stachel haben und zum Teil winzig klein sind. Der Honig war auch erstaunlich unterschiedlich und reichte von klassisch über intensiv aromatisch bis zu zitronig-frisch.
Die Nachmittage waren immer sehr intensiv, da wir fast 3 Stunden praktisch ohne Pause neue Zeitformen kennenlernten oder Dolores, unserer Spanischlehrerin, mit viel Mühe etwas zu erzählen versuchten. Dann kam die Zvieripause, bevor wir nochmals eine Stunde Unterricht hatten. Dolores war eine tolle Lehrerin und sehr geduldig mit uns. Sie erzählte uns auch viel über San Pedro, Guatemala und die Lebensart der Menschen hier. Wir konnten auch immer wieder zusammen lachen und waren uns einig, dass Spanisch „un poco loco“ ist, was das Konjugieren und die Zeitformen angeht (Ja, Präteritum, du bist gemeint!).
Unsere Sprachschule organisierte jeden Tag eine Aktivität für die Schülerinnen und Schüler: Salsa, Brettspiele oder einen Vortrag über die gewalttätige Vergangenheit Guatemalas. Wir freuten uns sehr, dass wir den spanischen Erklärungen über den Bürgerkrieg folgen konnten und das meiste verstanden. Zusammen mit vielen anderen Schüler:innen schwangen wir unsere Hüften zu Salsa-Rhythmen und schafften am Schluss der Stunde eine einfache Drehung zum richtigen Zeitpunkt.
Wir bekamen auch jeden Tag einen Zvieri: Gebratene Plátanos (Kochbananen), Tortillas mit Bohnenmus oder Donuts und als Highlight am Freitag Tamales (Tamales probierten wir in Tulum zum ersten Mal).
Wir genossen es sehr, eine Woche am gleichen Ort zu sein und einen „normalen“ Alltag zu haben und waren ein bisschen traurig, den See und San Pedro verlassen zu müssen. Wir freuen uns aber sehr auf unser nächstes Ziel: Rio Dulce mit einem Zwischenstopp in Antigua. Das wird unser letzter Halt in Guatemala sein, bevor wir nach Honduras weiterziehen.