Lanquin: Langes Warten auf Semuc Champey
Mitten im guatemaltekischen Hinterland werden wir zu einer Pause gezwungen. Wir erleben das erste Mal für einige Tage „schlechtes“ Wetter und geniessen die Auszeit. Am letzten Tag folgt dann das lang erwartete Highlight und wir besuchen Semuc Champey.

- Alex & Fabienne
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Willkommen in Lanquin
Der Shuttle brachte uns von Flores nach Lanquin, ein kleines Städchen in einem Tal mitten in Guatemala. Wir wurden vom Hostel abgeholt und holperten über die Kopfsteinpflasterstrassen zu unserem Ziel. Das El Retiro liegt am Ende der Stadt am Fluss. Wir bezogen unser Zimmer und waren froh, dass es ein Restaurant nur wenige Schritte neben unserem Zimmer gab.
Am nächsten Morgen brauchten wir eine Weile, um in die Gänge zu kommen. Nach dem Frühstück erkundeten wir uns, wann der beste Zeitpunkt sei, um die berühmten Pools von Semuc Champey zu besuchen. Leider erfuhren wir, dass der Park wegen des starken Regens geschlossen sei. So hatten wir Zeit, unsere Spanischunterlagen zu sortieren, Blogeinträge zu verfassen, einige Bücher zu lesen (ja, mehrere) und den Pool sowie die Seilschaukel in den Fluss aus der Ferne zu bewundern. Die Temperaturen stiegen auch nie über 22°C, was es uns auch nicht schmackhaft machte, uns ins Wasser zu stürzen. Am Abend spielten wir noch Riesen-Jenga, bevor wir ins Bett gingen.
Höhlenforschende auf den Spuren der Murcielagos (=Fledermäuse)
Am nächsten Tag sahen die Pools von Semuc Champey schon besser aus. Wir entschieden uns aber dafür, unseren Aufenthalt zu verlängern und erst bei schönem Wetter dorthin zu fahren. Wir faulenzten noch etwas. Eine riesige Ameisenstrasse forderte unsere Aufmerksamkeit ein. Die Blattschneider-Ameisen hatten eine Bäumchen neben der Bar endeckt und wir beobachteten fasziniert, wie sie riesige Blatt- und Blütenstückchen transportieren.
Am Nachmittag montierten wir festere Schuhe. Wir liefen durch das Städtchen und besuchten dann die Höhlen am Ortseingang. Wir stapften über Fledermaus-Exkremente, sehr darauf bedacht, nicht auszurutschen. Die riesigen Stalagmiten und Stalaktiten beeindruckten uns sehr. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und Temperatur in der Höhle waren wir schnell nur noch im T-Shirt unterwegs.
Wieder an der frischen Luft angekommen, beobachteten wir, wie die Fledermäuse zur Dämmerung aus der Höhle geflogen kamen. Dabei kamen wir ins Gespräch mit einem anderen Besucher. Er stammt aus Antigua - unserem nächsten Ziel - und gab uns Tipps für seine Heimatstadt. Am Schluss bot er uns sogar an, auf der Ladefläche seines Pickups mitzufahren und ersparte uns somit den 25-minütigen Fussmarsch zurück zum Hostel. Nach dem Abendessen spielten wir noch eine Runde Tischtennis mit Matt aus Grossbritannien und plauderten bis spät mit ihm, während wir von der Happy Hour die beiden Literflaschen Bier tranken.
Anscheinend hatte das lockere Pingpong-Turnier doch mehr an unseren Kräften gezehrt, sodass wir es noch knapp rechtzeitig zum Frühstück schafften. Alex setzte sich mit unserem Budget auseinander und Fabienne verlor sich wieder einmal in einem Buch. Am Abend besuchten wir mit Matt und einem Holländer ein Bistro eines ausgewanderten Kochs aus England. Das Essen war eine willkommene Abwechslung zum immer gleichen Menü im Hostel.
Endlich in Semuc Champey
Mit einem Pickup fuhren wir ins Tal, wo wir den ganzen Tag mit einer Gruppe und Guide verbringen würden. Das Wetter war leider noch nicht so sonnig und beim ersten Stop, dem River Tubing froren wir schon ziemlich. Unsere Kriegsbemalung, die wir uns ins Gesicht und auf die Arme geschmiert hatten, half ein wenig. Die Frucht des Anotto-Strauchs hat kleine Samen, deren Fruchtfleisch zerrieben eine leuchtend rot-orange Farbe haben. Die Maya haben damit früher unter anderem ihre Gebäude bemalt.
Danach bewaffneten wir uns mit einer Kerze und erforschten die nächste Höhle. Wir wateten durch den Fluss, stets bemüht, auf dem unebenen Boden nicht hinzufallen. Stellenweise war das Wasser so tief, dass wir schwimmen mussten. Am Ende der Höhle durften wir hinter einem Wasserfall durchgehen oder sogar hinaufklettern. Die Badehose voll hatten wir, als uns der Guide durch ein Loch im Fels über einen Wasserfall in komplette Dunkelheit schubste. Wir waren schon ziemlich froh, wieder Tageslicht zu sehen, auch wenn es ein riesiges Erlebnis war.
Anschliessend stoppten wir bei einer Hütte, wo wir zu Mittag assen. Mit vollen Bäuchen jagte uns der Guide eine steile Treppe nach oben, wo der Aussichtspunkt über die Pools von Semuc Champey lag. Wegen der Wolken und eher kühlen Temperaturen waren zum Glück nicht so viele Einheimische da und wir konnten ohne viel Stress einige Erinnerungsfotos schiessen.
Unser Guide lotste uns dann von Becken zu Becken. Wir hüpften über die Kanten, rutschten auf dem Po und sogar auf dem Bauch über die Steine. Danach froren wir ziemlich vor uns her, bevor wir uns auf den Rückweg machten.
Semuc Champey war das Warten auf wärmeres Wetter definitiv wert! Als nächstes fahren wir weiter in den Süden und besuchen mit Antigua die nächste Kolonialstadt. Sie ist umgeben von Vulkanen und wir werden dort den Acatenango besteigen. Wie wir das gemeistert haben, lest ihr hier.
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