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Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Oaxaca: Día de Muertos

Die erste richtige Fahrt mit dem Nachtbus, Probleme mit dem lokalen Busnetz, ein riesiges Fest in Oaxaca und eine abgefakelte Menu Karte sind unsere kleinen Highlights während unseres Besuchs des Día de Muertos in Mexiko.

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  • Alex & Fabienne
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Freundliche Begrüssung in Oaxaca

Schreckliche Busfahrt und Ankunft

Die Fahrt von San Cristobal nach Oaxaca mit dem Nachtbus war sehr anstrengend: Fabienne drehte es dank der vielen Kurven in der ersten Hälfte fast den Magen um und wir wurden oft von irgendwelchen Checkpoints angehalten und mussten zum Glück unseren Pass nur einmal zeigen. So kamen wir ziemlich fertig um etwa 9 Uhr in Oaxaca an. Wir verbrachten den Tag in Cafés, da wir noch nicht in unser Airbnb einchecken konnten.

Als es endlich Zeit dafür war, suchten wir sehr lange nach dem richtigen Bus. Einer nach dem anderen hielt an der von Google Maps angegebenen Stelle an und viele Leute stiegen ein und aus. Aber keiner der dunkle Abgaswolken ausstossenden Busse war mit der richtigen Linie angeschrieben. Wir versuchten ein Taxi anzuhalten und per App zu bestellen aber hatten auch hiermit kein Glück oder waren uns zu teuer. Wir sprachen schliesslich verzweifelt andere Reisende an, ob dieser ominöse Bus wirklich hier fahre. Komischerweise schien niemand diese Linie zu kennen. Ein Mexikaner erbarmte sich dann unser und fragte für uns etwas herum. So konnten wir dann nach fast einer Stunde endlich den übervollen Bus besteigen und kamen für läppische 8 Pesos (=35 Rappen) nach 30min Fahrt in die Nähe der Unterkunft. Nach dem Aussteigen versorgten wir uns noch mit Lebensmitteln, da wir selber kochen wollten, um möglichst schnell ins Bett zu können. Wir mussten dann doch noch 20 Minuten laufen, um endlich unsere Rucksäcke ausziehen, zu kochen und zu schlafen können.

Tag 1: Umzug mit Nadina

So sieht es dann aus, wenn man vorne zu dritt sitzen muss
So sieht es dann aus, wenn man vorne zu dritt sitzen muss

Wir schliefen aus und winkten dann am Nachmittag eines der Colectivo Taxis heran. Diese Taxis verkehren auf groben Linien und werden mit bis zu 5 (ja, nicht vier) Passagieren gefüllt, die in die gleiche Richtung müssen. 30 Pesos und 10min später stiegen wir an einer Hauptstrasse aus und suchten den Zócalo, den Hauptplatz. Dort war schon vieles für den Tag der Toten dekoriert: Riesige Skelette, Ofrendas (eine Art geschmückter Altar mit Opfergaben für die verstorbenen Familienangehörigen) und mit Cempasúchil oder Studentenblumen geschmückte Türrahmen. In den riesigen Menschenmassen fand uns Nadina (eine Freundin aus der Schweiz, die mit einer Reisegruppe hier war) dank dem geteilten Standort ziemlich schnell. Mit ihr wollten wir uns einen Umzug anschauen. Die Teilnehmenden sind verkleidet, spielen „Fasnachts“-Musik, drehen grosse Kugeln an Stäben oder laufen auf riesigen Stelzen. Wir warteten vor der Bühne, wo der Umzug endete und hatten auf den obersten Tritten der Tribüne eine tolle Aussicht auf das bunte Treiben. Danach gabe es noch ein Konzert einer traditionellen mexikanischen Band, die wie Popstars gefeiert wurde. Zur Stärkung assen wir in einem Restaurant noch Enchiladas in Mole. Das sind gefüllte und gerollte Tortillas in einer würzig-erdigen Sauce mit über 20 Zutaten. Wir schafften es noch vor dem Bestellen, die Menükarte in Flammen zu setzen - die Kerze auf dem Tisch war einfach zu nahe!

Ende des Umzugs und start des Konzerts
Ende des Umzugs und start des Konzerts

Die Bühne gehört noch der Band….noch!
Die Bühne gehört noch der Band….noch!

Tag 2: Besuch auf dem Friedhof

Am 31. Oktober schafften wir es etwas früher in die Stadt. Wir liessen uns von der Menge durch die Fussgängerzone treiben, wo man sich als Totenkopf schminken lassen oder Blumenkränze kaufen konnte. Das liess sich Fabienne natürlich nicht entgehen und lief freudestrahlend mit geschmückten Kopf weiter. Wir schauten uns die Kirche Santo Domingo an, die sehr opulent in Gold gehalten ist. Gleich daneben besuchten wir das Museum der Kulturen. Neben uralten Büchern in einem Bibliotheksflügel waren dort auch Rüstungen der Spanier und Funde aus den Zapoteken-Ruinen auf dem Monte Albán zu sehen und wir hatten einen guten Blick auf den Botanischen Garten. Gegen Abend liessen wir uns von einem Taxi zu einem Friedhof ganz in der Nähe unserer Unterkunft bringen. Zum Tag der Toten schmückt man die Gräber der verstorbenen Liebsten mit Blumen und Kerzen. Es herrscht eine wahnsinnig schöne Stimmung!

Hat der Verwandte wohl gerne gefeiert?
Hat der Verwandte wohl gerne gefeiert?

Friedhof bei Tageslicht
Friedhof bei Tageslicht

Friedhof nach Sonnenuntergang mit vielen Kerzen
Friedhof nach Sonnenuntergang mit vielen Kerzen

Die ganze Strasse ist mit einem Gemälde dekoriert
Die ganze Strasse ist mit einem Gemälde dekoriert

Tag 3: Monte Albán und Theater aus der Hölle

Für den nächsten Tag wollten wir ursprünglich auf den Monte Albán wandern. Da wir aber zuerst über eine Stunde durch die Stadt laufen müssten und Berichte über Überfälle auf Wanderer gelesen hatten, bezahlten wir lieber einen Shuttle für den Transport. Auf dem Hausberg Oaxacas sind Ruinen einer Stadt der Zapoteken, die von 250-750 n.Chr. dort gelebt haben. Man hat eine grossartige Aussicht auf die Stadt und wir freuten uns, mal zur Abwechslung keine Ruinen der Maya zu sehen. Zurück in der Stadt bummelten wir durch die Stadt und schauten uns die vielen Märkte an. Wir schnappten uns Sitzplätze für ein Theater/eine Tanzaufführung des Foklore-Ballets. Leider gefiel uns die Show mit Feuerwerk am Ende gar nicht und wir kehrten etwas enttäuscht nach Hause zurück. Möglicherweise sind wir mit zu hohen Erwartungen gekommen, aber einem geschenkten Gaul schauen wir nicht ins Maul!

Ausblick auf die Zapoteken Ruine
Ausblick auf die Zapoteken Ruine

Tag 4: Treffen mit Chloé und Arno

Da es gestern nicht geklappt hatte, Chloé und Arno zu treffen, versuchten wir es erneut. Wir gingen in die Stadt, bummelten wieder durch die Strassen im Zentrum und einen weiteren Markt. Fabienne kaufte endlich ein Paar Wickelhosen, die sie schon auf dem Markt in San Cristobal gesehen hatte. Später entdeckten wir, etwas versteckt in einem Innenhof, einen Ausstellungsmarkt, bei denen Künstler und kleine lokale Marken ihre Kleider, Schmuck, Accessoires, Mezcals, Schokolade und gar selbst gebundene Notizbücher, aus selbst gemachtem Papier, präsentierten. Auch ein DJ war vor Ort und hat das Ganze musikalisch aufgewertet. Es war alles eher modern gehalten, was mal eine Abwechslung war, da die Stände in den Strassen sehr viel vom gleichen traditionellen Stil verkauften.

Eine Ofrenda in einem Souvenirshop
Eine Ofrenda in einem Souvenirshop

So verbrachten wir den ersten Teil des Tages ohne ein Peso auszugeben. Später trafen wir endlich Chloé und Arno. Wir setzten uns in ein Café, assen köstliche Sandwiches und quatschten. Mit Chloé zogen wir dann noch weiter in eine Bar, Arno wollte schon schlafen gehen. Auch bei uns wurde es nicht spät und wir nahmen ein Taxi zurück zur Unterkunft.

Tag 5: Kunst und Motorrad-Lärm

Unseren letzten Tag in Oaxaca verbrachten wir mit viel Kunst. Wir besuchten ein winziges (und zugegeben auch etwas langweiliges) Textilmuseum und stolperten über ein Glasmuseum. Dort waren die verschiedensten Skulpturen aus Glas ausgestellt, manche farbig, andere glasklar. Wir trafen Nadina und sie zeigte uns ein hübsches Quartier mit viel Streetart. Die Wände waren mit bunten Motiven, teils zum Día de Muertos, bemalt.

Streetart der schöneren Art
Streetart der schöneren Art

Am Abend assen wir nicht weit von unsere Unterkunft eine Tlayuda (eine Art Pizza mit Tortilla-Boden) in einer zum Street-Food umgebauten Garage. Kaum waren wir fertig hörten wir ein lautes Knattern. Wir rannten nach draussen und sahen dort einen riesigen Motorrad-Umzug mit etwa 200-300 Fahrern. Einige der Fahrer (ja, fast nur Männer, teilweise mit Freundin oder Freund auf dem Sozius) waren gruselig verkleidet und ein Motorrad zog sogar eine Stoffpuppe hinter sich her. Wir haben bis jetzt keine Ahnung, ob das mit dem Tag der Toten zu tun hatte oder es normal ist, dass hunderte von Motorrädern miteinander durch die Vororte von Oaxaca fahren…

Morgen geht es weiter an die Küste des Pazifischen Ozeans, genauer gesagt nach Puerto Escondido zum Surfen und Spanisch lernen für eine Woche.

Kleiner Einblick in den Umzug, inkl. mitgeschleifter Puppe am Boden
Kleiner Einblick in den Umzug, inkl. mitgeschleifter Puppe am Boden

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

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