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Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Quetzaltenango: Ein gerne vergessenes Juwel?

Weil ein Update auf dem iPad alle bereits geschriebenen Beiträge vernichtet hat, versucht Fabienne nun mit etwas Abstand die wichtigsten Erinnerungen zu unserem Aufenthalt in Quetzaltenango zusammenzukratzen. Die Stadt wird im Alltag nur kurz Xela („Schela“)genannt, was ihr ursprünglicher Maya-Name ist. Sie ist die zweitgrösste Stadt von Guatemala und wird von den meisten Backpackern übersprungen. Wir haben aber auf diversen Blogs gelesen, dass man sich ein Besuch hier nicht entgehen lassen sollte.

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Exotische Früchte vor riesiger Christbaumkugel

Abenteuerliche Fahrt

Wir stiegen in Antigua in einen der vielen bunten Chicken-Busse. Die heissen so, weil sie für alltägliche Fahrten genutzt werden und man anscheinend gerne mal ein Huhn neben sich auf dem Sitz findet. Wie in Belize werden alte amerikanische Schulbusse hier in die Rente geschickt. Ein neuer Anstrich mit diversen Verzierungen aussen und innen, oft ein neues Soundsystem, manchmal sogar inklusive LED-Disco-Beleuchtung, hauchen ihnen neues Leben ein. Die Fahrten sind billig, schnell und eher unbequem. Der Bus hält, wo auch immer jemand ein- oder aussteigen möchte, was ihn je nachdem ziemlich ausbremsen kann. Wir haben aber bisher nur passionierte Rennfahrer hinter dem Steuer erlebt, die sogar auf Bergstrassen normale Autos überholen. In den langgezogenen Kurven mussten wir uns festhalten, um einander nicht zu zerquetschen oder von der Lederbank zu rutschen. Alex ist ebenso erstaunt gewesen, wie ein Bus mit diesem Tempo durch die Kurven flitzen konnte.

An einer Kreuzung steigen wieder einmal ziemlich viele Leute aus, als uns plötzlich der Kondukteur (welcher jeweils den Fahrpreis am Platz einzieht) anbrüllte, dass wir aussteigen müssten. Kaum waren wir draussen schmiss uns der Fahrer unsere Rucksäcke vom Dach entgegen und ein Kondukteur eines anderen Busses rief uns „Schela, Schela, Schela“ entgegen. Das war also unser Anschluss. Er schulterte Fabiennes Rucksack und rannte über die Kreuzung davon. Uns blieb nichts anderes übrig, als ihm hinterherzuspurten. Ums Eck wartete ein Bus und wir warfen unsere Rucksäcke durch die Hecktüre hinein und sprangen ebenso hinterher. Das ganze Umsteigen, inkl. 100m-Sprint dauerte bestimmt nich länger als 40 Sekunden und der Bus fuhr los. Wir brachen in fassungsloses Gelächter aus. Auch die Weiterfahrt würde sich als sehr lustig herausstellen, denn der Lewis-Hamilton-Verschnitt drückte das Gaspedal bereits wieder, als die Vorderachse über die Temposchwellen war. So hoben wir mehr als einmal komplett von unserem Sitz ab, um natürlich hart wieder zu landen. Wir hatten aber unseren Spass dabei und kamen heil in Quetzaltenango an.

Herausgeputzter Bus
Herausgeputzter Bus

So eng ist es in den Bussen manchmal
So eng ist es in den Bussen manchmal

Zwischenzeitlich waren wir mal ganz gemütlich auf 3000 m.ü.M.
Zwischenzeitlich waren wir mal ganz gemütlich auf 3000 m.ü.M.

Ein Uber brachte uns zur Adresse unserer Unterkunft. Vergeblich suchten wir nach dem Eingang. Wir checkten, ob wir auch am richtigen Ort waren und blieben ohne Erfolg. Ein Mann sah unseren verwirrten Blick und half uns beim Suchen - Das Schild war wirklich klein und der Punkt auf Google Maps an der falschen Ecke gesetzt der Kreuzung gesetzt.

Nach dem Abendessen in einem zwar gut bewerteten aber ziemlich ausgestorbenem asiatischen Restaurant spazierten wir über den Hauptplatz. Dort fand eine Art Weihnachtsmarkt statt mit kleinen Essensständen und Live-Rap-Musik. Die imposanten Gebäude waren mit Lichterketten und riesigen Schleifen geschmückt und es gab sogar einen Weihnachtsbaum. All diese Eindrücke kombiniert mit dem kühlen Wind liessen schon fast etwas Adventsstimmung aufkommen. Leider haben wir dabei ganz vergessen, Fotos zu machen…

Ernüchterung in Quetzaltenango

Am nächsten Morgen kamen wir kaum aus dem Bett, was sicher auch an den eisigen Temperaturen im Zimmer lag, gegen die unsere zwei Wolldecken viel halfen. Wir verbrachten den Tag in einem Café, um Texte zu schreiben und die Website zu updaten. Nach fast drei Monaten unterwegs haben wir genug Kirchen für den Moment gesehen und die Museen interessierten uns auch nicht wirklich, da unser Spanisch noch nicht dafür ausreicht. Was wir bisher von der Stadt gesehen hatten, beeindruckte uns leider nicht so. Xela ist nicht wirklich hübsch, dafür sehr authentisch. Man sieht überall die Guatemalteken ihrem alltäglichen Leben nachgehen und es fühlt sich nicht an, als würde für die Touristen (von denen es sowieso nur sehr wenige gibt) eine Show abgezogen werden. Wie die meisten Restaurants und Cafés in Mexiko und Guatemala, war dieses Café in einem Innenhof. Das bedeutet auch, dass der Wind einem mit der Zeit durch Mark und Bein gehen kann. Wir bekämpften die Kälte mit literweise Tee und kehrten gegen Abend durchgefroren zurück ins Hostel. Wir kuschelten uns mit der neusten Staffel Tschugger (SRF) (grosse Empfehlung!) ins Bett und kamen nur heraus, um die Reste vom Vorabend zu wärmen und mit anderen Reisenden zu plaudern.

Die Umgebung der Stadt ist einiges schöner

Am zweiten Tag in Xela fuhren wir den Berg hinauf zu den heissen Quellen Fuentes Georgina. Die Aussicht war fantastisch: Wir sahen Vulkane und Felder an steilen Hängen, die Sonne schien und brachte das Grün der Landschaft zum leuchten! Wir waren fast ein wenig traurig, dass wir schon bei den Quellen angekommen waren.

Aussicht aus dem fahrenden Uber
Aussicht aus dem fahrenden Uber

Aussicht vom Eingang auf Vulkane
Aussicht vom Eingang auf Vulkane

Durch die Vulkanische Aktivität fliesst Wasser mit bis zu 47°C aus dem Fels. Die Becken liegen direkt neben/unter dem Wald/Dschungel. Die Luft war kühl, doch im Wasser hielten wir es aus, bis unsere Hände und Füsse völlig verschrumpelt waren. Vom Thermalwasser aufgewärmt, kam uns die Luft noch viel eisiger vor und auch die Duschen gaben keinen Tropfen warmes Wasser her. Nur knapp schafften es unsere vor Kälte zitternden Hände, das Schliessfach zu öffnen und an die wärmenden Kleider zu gelangen. Angezogen setzten wir uns auf eine Mauer und genossen die Sonnenstrahlen. Für den Rückweg gaben wir unser Leben in die Hände von zwei Teenagern, die uns mit ihrem TukTuk wieder zurück ins Tal brachten, wo wir mit den Chicken Bus zurück in die Stadt fuhren.

Idyllische Lage der warmen Wasserbecken
Idyllische Lage der warmen Wasserbecken

Beweis, dass wir lange im Wasser waren
Beweis, dass wir lange im Wasser waren

TukTuk-Fahrt zurück ins Tal
TukTuk-Fahrt zurück ins Tal

Zurück in Xela kauften wir uns Pupusas, eine Spezialität aus El Salvador. Die Mais-Teigkugeln werden gefüllt, flach gedrückt und angebraten. Serviert mit Kohlsalat, scharfer Salsa und eingelegtem Gemüse, verbrennt man sich bei den ersten Bissen den Mund, weil die Füllung die Temperatur von Lava angenommen hat. Schmeckt aber!

Frische Pupusas mit Garnitur
Frische Pupusas mit Garnitur

Unser nächster Halt wird am Lago Atitlán sein. Wie sehr sich die kleinen Dörfer an dessen Ufer unterscheiden und wie es uns in der Gastfamilie während des Spanischkurses ergeht, erzählen wir euch im nächsten Beitrag

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

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