lang+lockig

Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Costa Rica: Roadtrip!

Nach einer Pause sind wir mit einem Riesenbeitrag zurück! Mit 4x4, Dachzelt und Campingausrüstung bewaffnet machen wir zwei Wochen lang Costa Rica unsicher. Eiskalte Wasserfälle, magische Nebelwälder, heisse Quellen, Traumstrände und Wildtiere beherrschen unseren Alltag. Nicht jede Nacht ist erholsam, wir fluchen über den Wind und die Hitze aber haben trotzdem immer wieder Kneif-Mich-Momente im Pura Vida Land!

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  • Alex & Fabienne
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Unser Zuhause für die nächsten zwei Wochen!

Alajuela

Von Montezuma fuhren wir mit dem Bus zurück nach Cóbano, wo wir umstiegen. Dieser Bus brachte uns, mit einer Unterbrechung für die Fahrt mit der Fähre, zum Flughafen Alajuela. Von dort gelangten wir schnell mit einem Uber zu unserer Unterkunft. Da Fabienne beginnende Ohrenschmerzen hatte (vermutlich durch Sand im Ohr dank der heftigen Wellen in Montezuma), suchten wir eine Apotheke, die noch offen hatte. Dort bekamen wir Ohrentropfen. Danach suchten wir uns ein möglichst günstiges Abendessen. Wir assen schliesslich eine gigantische, aber mittelmässige Pizza.

Am nächsten Morgen wurden wir von NomadAmerica abgeholt und zu ihrem Hauptsitz ausserhalb von Alajuela gebracht. Dort wartete schon unser Toyota Rush/BeGo auf uns. Bis ins kleinste Detail wurde uns die Campingausrüstung und das Auf- und Abbauen des Dachzelts erklärt. Wir erhielten noch eine grosse Einkaufstasche und füllten diese schon bald in einem grossen Supermarkt mit Vorräten. Sie haben uns auch eine von ihnen erstellte Webseite gezeigt, auf denen wir schöne Camping Plätze suchen konnten und je nach dem auch einen Rabatt bekamen, wenn wir da übernachteten. Für uns sehr hilfreich: Kontaktinformationen und Preise sind direkt ersichtlich. Damit der lange Artikel ein wenig übersichtlicher wird, haben wir hier eine simple Karte unserer Route erstellt:

Bajos del Toro

Um zu unserem ersten Halt zu kommen, fuhren wir den Berg hinauf und hinein in den Nebel. Die Strasse wurde immer steiler und steiler und wir kamen nur noch im Schneckentempo vorwärts. Nach einem ebenso steilen Abstieg hatten wir es geschafft. Wir fanden einen Stellplatz zwischen einem Wohnhaus und einem Bach. Der Besitzer war sehr nett, gab uns Tipps für Wanderungen und bot uns sogar sein Sofa an, falls es in der Nacht zu kalt werden würde (Spoiler: wir froren zwar, hielten aber im Zelt durch). Er liess uns auch unsere Küche unter seinem Autounterstand aufbauen und brachte uns einen Schaukelstuhl. Wir kochten unsere erste Mahlzeit auf den Campinggaskochern und verkrochen uns unter den Wolldecken im Zelt. Es wurde eine ziemlich kalte Nacht und Fabienne zog sich ihre Daunenjacke als Hose an - nein, es gibt davon kein Foto!

Catarata Vuelta del Cañon

Nach dem Frühstück schmierten wir uns Sandwiches als Proviant und Sonnencreme ins Gesicht und marschierten los. Der Start der Wanderung war bei einem Bauernhof und der Weg führte zu Beginn durch die Kuhweiden. Später kamen wir in den Wald, wo es merklich kühler wurde. Links und rechts vom Wanderweg blühten Blumen, welche die Luft mit einem köstlich honig-herben Duft erfüllten. Schon bald hörte der Pfad am Ufer des Flusses auf und wir sahen auf der anderen Seite ein rotes Band, welches die Fortsetzung des Wegs markierte. Wir zogen die Sandalen aus und wateten mit viel Gekreischen von Fabienne durch das eisig kalte Wasser. Insgesamt 12x überquerten wir den Fluss.

Der dritte Fluss den wir auf dem Hinweg durchquerten. Hier noch mit dem Versuch mit trockenen Füssen durchzukommen, wenn wir wüssten was noch alles kommt…
Der dritte Fluss den wir auf dem Hinweg durchquerten. Hier noch mit dem Versuch mit trockenen Füssen durchzukommen, wenn wir wüssten was noch alles kommt…

Zu Beginn wollten wir die Sandalen trocken halten und liefen barfuss durch das Wasser. Fabienne schmiss ihre Sandalen einmal auf die andere Seite, nur dass der Wurf mit dem zweiten Schuh etwas zu kurz geriet und sie die Sandale noch knapp vor dem Davontreiben retten konnte. Später wurde es uns zu blöd und wir wateten direkt durch das Wasser. So konnten wir auch gleich den Schlamm loswerden, denn an einigen Stellen war es ziemlich matschig.

Schlammige Stellen gabs immer wiedermal, doch meistens blieben unsere Füsse sauber. Es machte riesen Spass den richtigen Weg zu finden!
Schlammige Stellen gabs immer wiedermal, doch meistens blieben unsere Füsse sauber. Es machte riesen Spass den richtigen Weg zu finden!

Ganz hinten in der Schlucht mussten wir noch etwa 100m durch das Wasser laufen, bis wir um die Ecke kamen und endlich den Wasserfall sahen. Einfach magisch, oder?

Das Ziel der Wanderung, der Catarata Vuelta del Cañon haben wir nach 6km durch den Nebelwald erreicht.
Das Ziel der Wanderung, der Catarata Vuelta del Cañon haben wir nach 6km durch den Nebelwald erreicht.

Wir assen unsere Verpflegung und machten uns auf den Rückweg. Nach etwa 6h Wandern waren wir ziemlich müde. Zu unserer Überraschung kam beim Bauernhof der Besitzer auf uns zu. Er war ziemlich wütend, dass wir nicht bezahlt hätten. Am Morgen hatten wir einen seiner Arbeiter nach dem Weg gefragt und dieser hatte uns nur durchgewunken und nichts von Bezahlung erwähnt. Etwas murrend bezahlten wir dann die $20 pro Person, die der Bauer verlangte - es sei Privatland…

Catarata del Toro und Blue Falls

Am nächsten Morgen, wir hatten etwas besser geschlafen, packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren zum nächsten Wasserfall. Der Catarata del Toro ist nur über 864 Treppenstufen (okay, vielleicht auch weniger, wir haben nicht gezählt) erreichbar. Wir kletterten auch noch über die letzten Steine, um eine möglichst gute Sicht zu haben. Leider war es noch etwas zu früh und die Sonne schien nicht direkt auf den Wasserfall. Dafür sahen wir um die Ecke einen Regenbogen und farbige mineralische Ablagerungen.

Der grössere Catarata del Toro, der zum Blue Falls “Park” gehört, wo man den Eintritt bezahlt.
Der grössere Catarata del Toro, der zum Blue Falls “Park” gehört, wo man den Eintritt bezahlt.

Der Abfluss des Wassersfalls Catarata del Toro hat sich schön in den Fels gefressen und erscheint dank Morgensonne in all den verschiedenen Farben inkl. kleinem Regenbogen.
Der Abfluss des Wassersfalls Catarata del Toro hat sich schön in den Fels gefressen und erscheint dank Morgensonne in all den verschiedenen Farben inkl. kleinem Regenbogen.

Auf dem Rückweg mussten wir einige Pausen einlegen, da es immer wärmer wurde und die Stufen kein Ende nehmen wollten. Eine dreiminütige Autofahrt später bogen wir auf den Parkplatz der Blue Falls ein. Der Fluss, der die Fälle speist, hat eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Aluminiumsulfat (Wikipedia) (deshalb sind viele der Steine auch gelblich gefärbt) und wenn die Sonne auf das Wasser fällt, leuchtet es milchig-hellblau. Die Wege waren sehr gut unterhalten und auf dem ganzen Gelände waren Mitarbeitende verteilt, die bei Fragen Auskunft gaben oder bei der einen Flussüberquerung jeden sicheren Stein zeigten. Die meisten Fälle waren wieder nur über Treppen zu erreichen und wir schworen uns am Ende der Wanderung, so bald keine Treppen mehr zu gehen.

Die beiden Zwillingswasserfälle (Las Gemelas)
Die beiden Zwillingswasserfälle (Las Gemelas)

Der hintere der beiden Wasserfälle von Las Gemelas leuchtet so richtig blau!.
Der hintere der beiden Wasserfälle von Las Gemelas leuchtet so richtig blau!.

Pozo Azul, lädt für eine Abkühlung ein, inkl. Liegesitz im Wasser (Passende Steine). Der Fluss war 18°C kalt, perfekt für Alex!
Pozo Azul, lädt für eine Abkühlung ein, inkl. Liegesitz im Wasser (Passende Steine). Der Fluss war 18°C kalt, perfekt für Alex!

Der letzte der sieben Wasserfälle der Blue Falls in Bajos del Toro.
Der letzte der sieben Wasserfälle der Blue Falls in Bajos del Toro.

La Fortuna und Arenal

Noch am gleichen Tag fuhren wir weiter in die Region La Fortuna beim Arenal Nationalpark mit dem gleichnamigen Vulkan und See. Wir hatten den ganzen Campingplatz auf einer Farm für uns alleine. Der Besitzer brachte uns zur Begrüssung eine Kakaofrucht und erzählte uns, was alles angebaut wird, wo die schönste Aussicht zu finden sei und dass in der Nacht Koyoten hörbar seien während wir das Fruchtfleisch von den Kakaobohnen nuckelten.

Aussicht von unserem Camping Platz mit perfekter Sicht auf den Arenal Vulkan. Leider sassen die Wolken ein wenig fest.
Aussicht von unserem Camping Platz mit perfekter Sicht auf den Arenal Vulkan. Leider sassen die Wolken ein wenig fest.

Wir genossen die warmen Temperaturen und sassen noch lange draussen, bevor wir ins Zelt kletterten. Den nächsten Morgen verbrachten wir sehr gemütlich: Wir schliefen lange, machten Pancakes und süsse Plátanos und spazierten runter zum Fluss. Dort steht ein 300-jähriger Baum mit langen Lianen, an welchen Alex seine Tarzan-Künste übte. Später versuchten wir uns an der Zuckerrohrpresse. Die dicken Stängel werden durch zwei Walzen gepresst und unten läuft der süsse Saft hinaus. Trotz der schweisstreibenden Kurbelei freuten wir uns wie kleine Kinder über den selbstgepressten Saft und füllten eine leere Orangensaftpackung damit.

Die Morgensonne scheint ins Dachzelt, so könnten wir jeden Morgen aufgeweckt werden.
Die Morgensonne scheint ins Dachzelt, so könnten wir jeden Morgen aufgeweckt werden.

Am Nachmittag fuhren wir nach La Fortuna, wo wir einige Souvenirs kauften und uns später an den Fluss setzten. Der Ort ist bei Einheimischen und Touristen beliebt, weil man von den Felsen ins kühle Nass hüpfen und an einem langen Seil schwingen kann. Fabienne schaute zu (ihre Ohren waren noch nicht auf 100%) wie Alex Rückwärtssaltos übte und brav in der Reihe auf das Seil wartete.

In der Region Arenal gibt es wahnsinnig viele Touristen und entsprechend viele Angebote wie Hängebrücken oder River Rafting zu horrenden Preisen, aus Sicht von Langzeitreisenden. Für reine Ferien hätten wir weniger Probleme uns diese Aktivitäten zu leisten. Wir fanden noch eine kostenlose Unternehmung. Früh am Morgen fuhren wir zu einem Fluss, der von einer heissen Quelle gespiesen wird. Überall stehen teure Thermalbäder, aber bei einer Brücke kann man ein Stück durch den Wald gehen und sich in den ca. 30°C warmen Fluss setzen. Am Nachmittag und Abend ist es dort jeweils sehr voll, aber wir waren fast eine Stunde lang komplett alleine.

Monteverde

Nach unserem Bad im warmen Fluss fuhren wir um den See Arenal in Richtung Monteverde. Unterwegs machten wir einen Halt bei einer deutschen Bäckerei - waren die Bretzen gut! Mit der Zeit wurden die Strassen schlechter und wir holperten ein paar Stunden über ungeteerte Strassen. Statt zum Camping zu fahren machten wir einen kleinen Umweg und legten einen Halt beim Hummingbird Café vor einem Nationalpark ein. Dort gibt es ca. 6 Futterstationen mit Zuckersirup und wir konnten verschiedenen Sorten Kolibris beim Fressen (Trinken?) zuschauen. Uns war vorher nicht bewusst, wie laut Kolibris fliegen. Sie surrten uns einige Male ziemlich nah am Kopf vorbei und wir konnten uns gar nicht satt sehen an ihren schillernden Farben.

Beim Café Colibri konnte man den schnellen Kolibris beim Zuckersirup schlürfen zusehen und den ein oder anderen Schnappschuss verbuchen.
Beim Café Colibri konnte man den schnellen Kolibris beim Zuckersirup schlürfen zusehen und den ein oder anderen Schnappschuss verbuchen.

Auch ein Nasenbär lies sich blicken.
Auch ein Nasenbär lies sich blicken.

Ein neuer Freund kam in der Dunkelheit hervor und lief beim Auto umher. Mit einem grossen Holzstück hat Alex den Skorpion eine Mitfahrt an den Waldrand ermöglicht. Die Gefahr drauf zu treten war somit entschärft. Und ja, der hat kein “Gesicht”.
Ein neuer Freund kam in der Dunkelheit hervor und lief beim Auto umher. Mit einem grossen Holzstück hat Alex den Skorpion eine Mitfahrt an den Waldrand ermöglicht. Die Gefahr drauf zu treten war somit entschärft. Und ja, der hat kein “Gesicht”.

Schon als wir unser Zelt auf dem Campingplatz aufbauten, hatten wir eine Vorahnung, dass es eine harte Nacht werden könnte. Wir bewunderten den Sonnenuntergang, der wirklich spektakulär war, denn der Camping lag auf einer Kuppe und man sah bis zur Nicoya Halbinsel. Die Lage bedeutete aber auch, dass uns der Wind nur so um die Ohren pfiff. Während wir von den bunten Farben am Himmel abgelenkt waren, klappte eine Windböe unser Zelt wieder zu. So stellten wir den Wagen um 90° gedreht noch näher an die Bäume und klappten das Zelt wieder auf. Wir gaben es auf, das Vorzelt aufzubauen und mussten die dicken Heringe suchen, die mit dem Deckel der Ausrüstungskiste weg geweht wurden. Wegen des Winds bauten wir den Gaskocher im offenen Kofferraum auf und setzten uns dort hinein um zu essen.

Die Aussicht vom windigsten aller Campingplätze war unbezahlbar (nur $10 pro Person 😜)
Die Aussicht vom windigsten aller Campingplätze war unbezahlbar (nur $10 pro Person 😜)

Später kochten wir uns noch einen Tee, um uns im Zelt aufzuwärmen. Wir schliefen schlecht. Der Wind heulte durch die Bäume und rüttelte am Zelt und weckte uns immer wieder auf. So packten wir dann auch ziemlich früh wieder zusammen, um den Santa Elena Cloud Forest zu besuchen. Wir können aber definitiv sagen, dass die vielen Windräder um Monteverde rege in Betrieb sind.

Reserva Bosque Nuboso Santa Elena

Der Ausblick von einem Turm über den Nebelwald ohne Nebel.
Der Ausblick von einem Turm über den Nebelwald ohne Nebel.

Die warme Karibikluft trifft in Monteverde auf hohe Berge, wodurch Wolken entstehen. Diese hüllen die Regenwälder ganzjährig in eine dicke Decke aus Luftfeuchtigkeit. Dadurch sind die Wälder sehr grün und saftig und es entsteht eine magische Stimmung. Leider hatten wir etwas zu viel Glück mit dem Wetter und die Sonne gab den ganzen Tag ihr bestes. Auch wenn wir diese mystische Stimmung nicht erleben konnten, war gut vorstellbar, wie es aussehen könnte. Die neblige Zeit der Finca de Neblina in Nicaragua und die bedeckte Wanderung zum Catarata Vuelta del Cañon, hat uns dies bereits gelehrt. Wir verbrachten den ganzen Morgen auf den Wanderwegen und begegneten nur ab und zu anderen Tourist:innen. Nebst den vielen anderen Parks im Nebelwald, werden die Einnahmen vom Santa Elena Cloud Forest für die Schulen in der Region gespendet.

Einer von vielen sehr bewachsenen Bäumen und dieses grün! 😍
Einer von vielen sehr bewachsenen Bäumen und dieses grün! 😍

Wie aus der Broschüre!
Wie aus der Broschüre!

Auf dem Parkplatz überkam uns der Hunger und wir verschlangen unser vorbereitetes Birchermüesli und Alex versuchte einen Käsetoast zu grillen (Spoiler: auch nach zig Versuchen über die nächsten Tage wollte der Käse einfach nicht schmelzen).

Frisch gestärkt riskierten wir unseren Mageninhalt beim Ziplining. An insgesamt 11 Stahlseilen rauschten wir durch und über den Dschungel. Da es ein ziemlich grosses Unternehmen war, wurden die Gruppen entsprechend gefüllt. Alles musste immer ziemlich schnell gehen und wir wurden ziemlich durch den Park gescheucht. Die letzten beiden Ziplines konnten wir aber im Superman-Style zurücklegen. Dabei zogen wir das “Gstältli” rückwärts an und unsere Füsse wurden hochgebunden. So konnten wir in Bauchlage über 1.5km über den Regenwald fliegen - was für ein Erlebnis!

Video der 1.5km langen Zipline in der Superman Position! - Musik: Seize The Ultimate by Paul Werner.

Diese Nacht verbrachten wir auf einem anderen Campingplatz, der etwas weniger windig war und über eine geschlossene Küche mit Tisch verfügte.

Quepos und Manuel Antonio

Nach sagenhaften sechs Tagen Meerentzug reisten wir wieder an die Küste. Unterwegs machten wir bei der Crocodile Bridge Halt, wo man von der Autobrücke aus etwa 10 Krokodile im Fluss und am Ufer erspähen konnte.

Aussicht von der Crocodile Bridge, ein 5min Stop reicht hier völlig aus.
Aussicht von der Crocodile Bridge, ein 5min Stop reicht hier völlig aus.

Unser Mittagessen assen wir am Strassenrand mit Blick auf Bäume und das Meer. Ein lautes Krächzen kündigte mehrere rote Ara-Paare an und wir hörten noch lange, wie die Papageien im Baum miteinander stritten (oder redeten, wer weiss das schon 😅).

Wir verbrachten unsere erste und einzige Nacht beim Wildcampen in Quepos. Direkt vor einem Park mit Meerzugang (Juhuii, endlich wieder baden!) übernachteten wir auf dem Parkplatz. Am Abend bestaunten zwei Arbeiter unser Zelt und freuten sich über den Einblick ins Innere. Es sei erstaunlich geräumig meinten sie auf Spanisch.

Früh am nächsten Morgen fuhren wir zum Nationalpark Manuel Antonio. Der meistbesuchte Nationalpark Costa Ricas ist sehr beliebt wegen seiner Traumstrände und grossen Chancen, viele Wildtiere zu sehen. Da wir bisher immer noch kein Faultier in den Baumkronen gefunden hatten, buchten wir eine Tour mit einem Guide. Checho arbeitet seit 35 Jahren dort und kennt alle Leute im und um den Park. Er war mit einem Teleskop bewaffnet und zeigte unserer Gruppe verschiedene Tiere. In knapp zwei Stunden sahen wir einen Laubfrosch, noch schlafende Brüllaffen, viele Kapuzineraffen sogar mit Baby, einen sehr seltenen brütenden Vogel (Es war eine seltene Art der Nachtschwalben (Wikipedia), welche genau wissen wir aber nicht mehr.), Spinnen, eine riesige Heuschrecke, Schmetterlinge, Agoutis, ein Reh mit Kitz und als Höhepunkt insgesamt drei Faultiere, eins davon mit einem Baby.

Das dritte und am besten erkennbare Faultier das wir im Manuel Antonio Nationalpark sahen.
Das dritte und am besten erkennbare Faultier das wir im Manuel Antonio Nationalpark sahen.

So wundervoll es war, all diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen, war das drumherum doch viel weniger natürlich: Eine riesige Horde Touristen wackelte brav ihren jeweiligen Guides hinterher. Natürlich alle auf dem gleichen Weg. Natürlich schauten sich alle die gleichen Tiere an und wir hatten jeweils nur kurz Zeit, durch das Teleskop zu schauen und vielleicht ein schnelles Foto zu schiessen, bevor wir uns entsetzt etwas Platz ausserhalb der Menge suchten.

Nach der Tour hängten wir noch eine kleine Rundwanderung an. Dort war es viel ruhiger und wir konnten den Dschungel besser geniessen. Wir sahen dort noch eine Menge Affen, die zum Teil auf den Geländern neben dem Weg herumturnten. Alex entdeckte eine Schlange, die Fabienne sich aber wegen ihrer Phobie nicht genauer anschaute.

Danach suchten wir uns ein schattiges Plätzchen am zweitbeliebtesten Strand. Der bekannteste war einst Drehort für den Film “Cast Away - Verschollen” mit Tom Hanks (Wiiilsoooon! 🏐) und einiges voller. Der Sand war puderfein und das Wasser viel zu warm. Wir hatten eine Schnorchelausrüstung dabei und schwommen damit um die Felsen am Ende des Strands und sahen dabei erstaunlich viele farbige Fische. Am Strand konnten wir auch immer wieder Einsiedlerkrebse beobachten, die über den Sand huschten.

Dominical

Nur eine kurze Autofahrt später kamen wir in Dominical an. Dort campten wir im Garten eines Restaurants, nur einen Parkplatz und eine Pflasterstrasse vom Strand entfernt. Hier verbrachten wir zwei sehr entspannte Nächte, bestaunten den Sonnenuntergang und lachten über die verrückten Leguane, die von Pfosten ins Gras hüpften. Wir spazierten durch den Markt auf dem grossen Parkplatz, wo aber fast ausschliesslich Ramsch und Souvenirs verkauft wurden. Am Abend wurden wir von heimtückischen Ameisen angegriffen, die sich im Netz der Kochtöpfe versteckt hatten und unsere Hände beim Aufräumen zerbissen. Wir sassen oft mit untergeschlagenen Beinen auf den Campingstühlen, um ihnen nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten.

Uvita

Unser letzter Abstecher an der Pazifikküste führte uns nach Uvita. Der bekannte Strand in Form einer Walflosse ist nur über den kleinen Nationalpark zu erreichen. Ausser man campt am gleichen Ort wie wir. José vom Camping zeigte uns einen Trampelpfad, der auch an den Strand führte. Der Strand zeigt seine spezielle Form leider nur aus der Luft und bei Ebbe. Dann kann man zu der kleinen Insel hinausspazieren, die durch ein Erdbeben entstanden ist. Etwa eine Stunde dauerte es, denn extrem breiten und langen Strand entlangzulaufen.

Die Sandbank welche nur bei Ebbe begehbar ist mit Blick nach Uvita.
Die Sandbank welche nur bei Ebbe begehbar ist mit Blick nach Uvita.

Die Wellen kühlten unsere Füsse ab und der Wind unseren Körper. Am zweiten Abend begann ganz unscheinbar zu nieseln. Schon bald ergoss sich der Himmel über uns und wir stellten Tisch und Stühle unter das schützende Vordach der Toiletten. Auch da wurden wir vom Seitenregen nassgespritzt und es dauerte fast eine Stunde, bis der Regen nachliess. Unser Zelt hielt dicht und war auf dem Autodach auch geschützt vor den Wassermassen, die über den Platz lief. Ein Amerikaner hatte weniger Glück, er hatte sein Zelt am tiefsten Punkt aufgebaut. Zum Glück nahm er die Situation mit viel Humor, es sei ja schliesslich nur nass und nicht kalt.

San Gerardo de Dota

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge liessen wir die Küste hinter uns und fuhren in die Berge. Es wurde kälter, je höher wir kamen. Auf über 3400 m.ü.M. genossen wir einen Aussichtspunkt mitten von zig Funkmasten. Leider war der Himmel etwas bewölkt und wir sahen nicht wie versprochen sowohl die Pazifik- als auch die Karibikküste. Über steile und sich windende Strassen fuhren wir nach San Gerardo de Dota. Das Dörfchen liegt auf knapp 2300 m.ü.M. und ist bekannt für Birding. Vogelenthusiasten aus aller Welt reisen hierher um Vögel zu beobachten. Wir wollten endlich einen Quetzal (Wikipedia), das Wappentier von Guatemala sehen. Dieser bunte Vogel mit seinen langen Schwanzfedern ist vorallem wegen Rückgangs seines Lebensraums gefährdet. Da Costa Rica schon lange viele Nationalparks hat, ist der Bestand dort relativ stabil.

Aussicht vom bisher höchsten Punkt auf unserer Reise mit einem Auto auf 3400 m.ü.M.
Aussicht vom bisher höchsten Punkt auf unserer Reise mit einem Auto auf 3400 m.ü.M.

Wir campten bei einem Hotel und lernten Robin und Zeda aus Obwalden kennen. Sie waren auch mit einem Dachzelt unterwegs und wir assen gemeinsam unser Abendessen. In der Nacht wurde es eisig kalt (jetzt fror auch Alex). Am Morgen kamen wir schnell in die Gänge und spazierten über die Wanderwege des Hotels. Wir fanden keinen Quetzal, dafür kamen wir zu einem hübschen Wasserfall. Später ruderten wir in einer Nussschale über den Hotelteich und versenkten es nicht (was erstaunlich war, der Rand des Bootes befand sich nur Zentimeter über dem Wasser). Danach machten wir einen Halt in einem Café, wo man schon oft Quetzales sehen konnte. Wir hatten leider kein Glück mit diesem Paradiesvogel, sahen aber viele andere Vögel und Kolibris und assen ein Stück Passionsfruchttorte.

Er hat ein ganz weisses Ruderboot, und mit dem Ruderboot, fährt er hinaus…
Er hat ein ganz weisses Ruderboot, und mit dem Ruderboot, fährt er hinaus…

Die letzte Nacht

Unsere letzte Nacht verbrachten wir auf einer Finca mitten in einer Kaffee Plantage, die während des Bürgerkriegs 1948 als Barracke und Versteck diente. Wir spazierten über das weitläufige Gelände, bestaunten die verschiedenen Kaffeesorten und hüpften über den Bach. Wir liefen unter Avocadobäumen durch und streichelten die wenig streichelfreudigen Pferde im Stall. Immer wieder rannten uns zwei der vielen Hunde um die Beine, rauften miteinander und versteckten sich unter unserem Auto. Die Finca liegt in einer zauberhaften Umgebung, die Temperaturen waren sehr angenehm und wir waren etwas traurig, nicht länger bleiben zu können.

Aussicht vom Hochland, als wir zu unserem letzten Campingplatz fuhren.
Aussicht vom Hochland, als wir zu unserem letzten Campingplatz fuhren.

Viel zu früh war es Morgen und wir begannen, das Auto aufzuräumen und unsere Rucksäcke zu packen. Wir fuhren über Gratstrassen vorbei an Sonntagsausflüglern in die Hauptstadt. Dort machten wir einen Halt in einer Klinik, da Fabiennes Ohrenentzündung immer noch nicht besser war. Ausgerüstet mit vielen Medikamenten brachten wir das Auto zurück und liessen uns in ein Hotel fahren. Bevor wir nach Panama weiterreisen, verbringen wir einige Tage an der Karibikküste in Puerto Viejo de Talamanca. Zum Abendessen gabs wieder Pizza, aber dank einer Empfehlung unseres Fahrers, war diese auch wirklich Top! Noch ein wenig US Dollar am Automaten nebenan haben wir noch rausgelassen, da ein künftiges Abenteuer (Arrrr) leider nur Bares akzeptiert.

Puerto Viejo

Mit dem Bus fuhren wir via San José nach Puerto Viejo an die Karibikküste. Unser Hostel lag sehr zentral und direkt nebenan befand sich ein Supermarkt. Wir hörten oft das Piepen der Kasse im Hostel, da die meisten Gebäude hier offen gebaut sind und da das Zimmer keine Klimaanlage hatte, blieben die Fenster offen (Mückennetz war vorhanden).

Den ersten Tag verbrachten wir eher gemütlich: Wir schlenderten durch die Boutiquen, liessen eine Ladung Wäsche waschen und arbeiteten am Blog und telefonierten mit Freunden aus der Schweiz.

Der zweite Tag wurde etwas actionreicher und wir mieteten zwei Fahrräder. Diese Beachcruiser hatten weder Gangschaltung noch Bremsen, dafür den aus der Kindheit verhassten Rücktritt. Damit fuhren wir ca. 10km bis Punta Uva und dort an einen hübschen Strand. Leider waren wir nicht so allein wie erhofft, wir fanden aber doch noch ein Schattenplätzchen unter den Bäumen. Dort verbrachten wir auch fast den ganzen Tag mit lesen, Nickerchen und Badepausen. Das Wasser war wirklich sehr angenehm erfrischend, besonders im Vergleich zum (zu) warmen Pazifik. Ein Hund war auch unterwegs, buddelte im Sand und deckte dabei Fabienne zu. Zurück im Hostel waren wir schon ziemlich erschöpft, wir sassen nämlich beide seit Tulum nicht mehr im Sattel!

Leider konnten wir nicht länger bleiben und mehr Strände erkunden, weil wir die Weiterreise nach Panama noch in Nicaragua gebucht hatten. Costa Rica verlangt bei der Einreise nämlich direkt einen Ausreisebeleg. Wir wären gerne noch ein oder zwei Nächte länger geblieben. Wir freuen uns aber auch schon auf unseren nächsten Halt, Bocas Del Toro in Panama.

Pura Vida 🤙
Pura Vida 🤙

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24.03.2024 Aktualisierung des Posts: Karte hinzugefügt

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

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