Granada und Lagune Apoyo
Nach verregneten und nebligen Tagen fliehen wir in die Wärme nach Granada. Dort liegen wir auf der faulen Haut, lesen, spazieren am See entlang und essen den besten Burger seit langem. Auf einer Kayakfahrt lernen wir viel über die einheimischen Vögel. Anschliessend geniessen wir wieder einmal Süsswasser und chillen und tauchen im Kratersee der Lagune Apoyo.

- Alex & Fabienne
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Busfahren macht Spass
Von der Finca her kommend machten wir eine frühe Mittags- / eine späte Frühstückspause in Estelí. Fabienne verstand die Dame im Comedor (ein lokales Restaurant ohne Karte mit einfachen, lokalen Gerichten) nicht und bekommt als einzige vegetarische Option zwei Tortillas mit einem Stück Käse darauf. Alex bekam angesichts seines Tellers mit frittiertem Poulet, Spaghetti, Tortillas und Reis ein schlechtes Gewissen.
Mit dem Express-Bus fuhren wir in Richtung der Hauptstadt Managua. Wir stiegen aber früher aus und der Busbegleiter zeigte uns, wo der Mini-Bus nach Masaya fuhr. Zu unserem Glück erwischten wir schnell einen. In Masaya stiegen wir wieder in einen Chicken Bus um, der uns schliesslich nach Granada brachte. Die 15 Minuten Fussmarsch zur Unterkunft kamen uns wie eine Ewigkeit vor, wir konnten aber zum Glück direkt einchecken. Danach brachten wir unsere Kleider in die Wäscherei. Sage und schreibe 11 kg Wäsche gaben wir ab und zahlten dafür etwa 15 Franken. Wir sind uns aber sicher, dass einige Kilos davon einfach Wasser war, das sich durch Nebel und Luftfeuchtigkeit in unseren Kleidern versteckt hatte.
Die Dusche und die trockenen Handtücher und Bettwäsche waren himmlisch! Zum Abendessen gönnten wir uns eine Pizza 50m vom Hostel entfernt.
Klimawandel ist echt
Am nächsten Morgen checkten wir schon wieder aus, weil wir in eine bessere Unterkunft wechselten. Den Nachmittag verbrachten wir in der Hängematte mit Lesen und Powernaps. Später fuhren wir mit Carlos, dem Besitzer der Arca de Noé, in seinem Auto durch die Stadt. Er erklärte uns in 25min eine Kurzfassung der Geschichte seiner Heimatstadt und zeigte uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Wir waren froh, diesmal keine Walking Tour gemacht zu haben, denn es regnete. Carlos meinte, normalerweise fällt im Januar, kein Tropfen Regen. Aber dieses und letztes Jahr regne es Ende Januar fast regelmässig. Der Klimawandel bringt nicht nur die Gletscher in der Schweiz zum Schmelzen, lässt Ernten vertrocknen, verlängert die Regenzeit auf Utila, bringt Nebel in die Trockenzeit der Wälder Nicaraguas, lässt den Wasserspiegel des grössten Sees Mittelamerikas ansteigen sondern bringt auch Regen mitten in der Trockenzeit.
Faulenzen
Unseren zweiten Tag in Granada verbrachten wir mit viel faulenzen. Fabienne versank stundenlang in ihrem Buch und entschied, sich in der Schweiz auch einen Schaukelstuhl zu kaufen. Alex liess sich beim Barber Haar und Bart stutzen, wofür er nur um die 5 Franken zahlte. Wir spazierten durch den Markt, wo wir Gemüse für das Abendessen und eine sehr saftige Ananas kauften. Wir machten einen Halt in der Bäckerei um die Ecke wo wir unter anderem Schwarzwäldertorte kauften. Am Nachmittag telefonierten wir mit der Familie, bevor wir endlich wieder einmal selber kochten.
Eigentlich hätten wir geplant gehabt, den Vulkan Masaya zu besuchen. Dort kann man normalerweise die Lavaströme anschauen. Leider ist er aber seit einigen Monaten wegen hoher Aktivität geschlossen. Der Vulkan Mombacho wäre auch in der Nähe, liegt allerdings meist im Nebel. Und vom Nebel haben wir wirklich genug für eine Weile 😶🌫️
Seepromenade
Um der Hitze etwas zu entkommen spazierten wir ein Stück der Seepromenade entlang. Eine ziemlich starke Brise kühlte uns angenehm ab und wir fanden eine Bank, um uns auszuruhen. Auf dem Rückweg kamen wir wie so oft am Hauptplatz vorbei. Dort stehen viele Cinderella-mässige Kutschen bereit, welche von ausgemergelten Pferden gezogen werden. Allgemein ist der Gegensatz zwischen herausgeputzter Kolonialstadt, DEM Touristenmagneten unter den Städten Nicaraguas, und der allgegenwärtigen Armut bestechend.
Am Abend assen wir in einem orientalischen Restaurant einen Falafelteller und Lammkebab, denn wir brauchten eine Abwechslung von Gallo Pinto, Reis mit Bohnen, das hier zu jeder zweiten Mahlzeit serviert wird.
Kayak und Bananenburger
Unseren letzten Tag in Granada nutzten wir aus. Um 6 Uhr früh wurden wir abgeholt und zum See gefahren. Dort empfing uns Angél und wir setzten uns in die Kayaks. Er lotste uns zwischen den Isletas hindurch, machte uns immer wieder auf verschiedene Vögel aufmerksam, zeigte uns schlafende Fledermäuse und erzählte uns, wie die Kinder der Inseln alleine mit dem Ruderboot zur Schule fahren. Die Morgenstimmung war unheimlich friedlich, es war noch angenehm kühl und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr hinaus. Die 2.5 Stunden vergingen wie im Flug und wir kamen gerade noch rechtzeitig zum Frühstück wieder zurück ins Hostel. Wir arbeiteten etwas am Blog, holten uns nochmals einige Leckerbissen in der Bäckerei und genossen das Nichtstun.
Zu einem frühen Abendessen im Tosto Metro begleitete uns Kristine aus Schweden. Das Tosto Metro ist bekannt für seine Bananenburger und wurde uns mehrfach empfohlen. Als Vorspeise wurden uns dünne Karottenscheiben mit Kürbis- und Avocado-Sauce serviert. Sagenhaft gut! Der Burger war auch sensationell: Statt eines traditionellen Brötchens wird die Füllung von flachgedrückten und gebratenen grünen Plátanos umgeben. Die Saucen waren die gleichen, wie schon bei der Vorspeise und wir kamen gar nicht aus dem Schwärmen heraus. Zum krönenden Abschluss wurde uns noch ein Tellechern mit einem Kürbisstückchen, gehobeltem Ingwer und viel Honig serviert. Nach dem Bezahlen fragten wir nach dem Rezept der Saucen, das denkbar einfach ist. Man koche/brate/backe den Kürbis bis er weich sei und püriere ihn dann zusammen mit Öl, einem milden Essig und Salz - fertig.
Lagune Apoyo: Tauchen im Vulkansee
Danach fuhren wir für zwei Tage an die Lagune Apoyo, die bei einem Ausbruch des Vulkans Mombacho entstand. Das Hostel bot auch Tagespässe für Ausflügler aus Granada an und es war während des Tages ziemlich voll. Nach 16:00 Uhr wurde es aber sehr ruhig. Das Wasser im See war nicht zu warm und nicht zu kalt, schmeckte aber leicht nach Schwefel… Wir lagen auf dem Floss, in der Hängematte oder im Stuhl und genossen die kühle Brise.
Unsere morgendliche Kayakfahrt brachen wir wegen des starken Winds und der Wellen ziemlich schnell ab. Dafür buchten wir einen Tauchgang in diesem Vulkansee. Wir waren etwas erstaunt, wie kurz - oder besser: nicht vorhanden - das Briefing war. Wir stapften auch vom Ufer her ins Wasser, statt wie auf Utila mit dem Boot rauszufahren und dann ins Wasser zu hüpfen. Wegen des Winds war die Sicht ziemlich schlecht und wir blieben die ganze Zeit sehr dicht beieinander. An die Artenvielfalt in der Karibik kam der See natürlich auch nicht heran. Wir sahen ein paar gestreifte Fische und Felsen, Laub und etwas Abfall auf dem Boden. Nach einer Weile pausierten wir auf dem Seegrund und spürten schon die Wärme der Geothermie unter uns an den Knien. Danach steckten wir die Hand unter den Sand, wo es schon fast heiss war. Dort sahen wir auch einige Bläschen aufsteigen. Später hielten wir unsere Hand noch in eine Art Höhle, wo eine heisse Quelle zu spüren war. Die 53min gingen erstaunlich schnell vorbei und wir genossen es sehr, wieder einmal schwerelos zu sein!
Als nächstes werden wir eine Woche auf der Insel Ometepe verbringen. Sie liegt im Lago Nicaragua, dem riesigen See, der auch süsses Meer genannt wird und Bullenhaie beheimatet, welche durch den Fluss von der Karibik in den See gelangen. Ometepe wird von zwei Vulkanen dominiert und ist ein Muss für alle Nicaragua-Reisende. Wo wir mit unserem Motorrad hin düsen und ob wir einen der Vulkane besteigen werden, lest ihr im nächsten Artikel.
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