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Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Juayúa: Ruta de las Flores, Wasserfälle und Feuerwerkstier

Auch wenn die Hauptblütezeit der Wildblumen schon vorbei ist, verbringen wir einige schöne Tage in Juayúa, schauen uns die 7 Wasserfälle an und feiern das Festival del Cristo Negro mit viel Feuerwerk, Süssigkeiten, Streetfood und einem speziellen Stier.

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  • Alex & Fabienne
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Aussicht von der Dachterrasse auf die Vulkane, einer davon ist Santa Ana.

Als Basis für die bekannte Ruta de las Flores wählten wir Juayúa. Nach nur gut 1.5h von Santa Ana aus kamen wir an. Unser Hostel lag am Rand der Kleinstadt und bot von der Dachterrasse einen guten Überblick. Zum Abendessen gönnten wir uns eine fantastische Pizza, da wir ziemlich hungrig waren und keine Lust hatten, auf den Strassen etwas zu suchen.

Siete Cascadas

Am nächsten Tag hatten wir uns für die Tour zu den Sieben Wasserfällen von Juayúa angemeldet. Pünktlich wurden wir von Gabriel abgeholt. Er führte uns durch Kaffee-Plantagen und den dichten Wald. In seiner Freizeit macht er Trailrunning, weshalb kein Schweisstropfen auf seinem Gesicht zu sehen war. Nach etwa einer Stunde und dem Durchqueren eines kleinen Flusses kamen wir beim ersten Wasserfall an. Der Rundweg führte uns immer weiter, zu grösseren und kleineren Wasserfällen. Ins Gestein eines Wasserfalls waren Vertiefungen eingeschlagen, damit wir die ca. 20 Meter hochklettern konnten. Wir waren heilfroh um unsere Wandersandalen und das griffige Vulkangestein.

Hier sind wir durch den Wasserfall hoch geklettert.
Hier sind wir durch den Wasserfall hoch geklettert.

Beim letzten Wasserfall rieben wir unser Gesicht noch mit Erde ein und wuschen uns wieder ab. Laut Gabriel soll einem das für immer jung halten oder wieder schön machen. Am Schluss machten wir noch bei zwei Wasserbecken halt, in denen wir uns schwimmend abkühlten. Bei allen Wasserfällen waren wir nur zu viert, erst beim letzten Becken kam nach ca. 10-15min eine riesige Gruppe an und die Ruhe war vorbei. Einer der neuen Guides zeigte, wo man über die Steine hochklettern und in die Becken runterspringen konnte. Alex getraute sich, Fabienne schaute lieber zu und machte ein Video.

Einer der sieben Wasserfälle.
Einer der sieben Wasserfälle.

Das Wasser drückt aus den Felsen raus.
Das Wasser drückt aus den Felsen raus.

Den Nachmittag verbrachten wir auf der Dachterrasse mit einem Nickerchen (Alex) und einem Buch (Fabienne). Am Abend spazierten wir durch die Stadt und schauten uns die vielen Stände an. Wir assen Bao Buns (Alex) und frittierte Yuca (Fabienne), deckten uns mit einigen Süssigkeiten ein und schauten beim Aufbau der Juegos Mechanicos zu. Wir sahen ein Riesenrad, eine kleine Achterbahn, Tütschiautos, ein schwingendes Schiff und ein Karussel. Alles war altmodisch und rostig, aber immer bunt beleuchtet. Auch der Weg geht nah an den Fahrgeschäften vorbei, gerade beim Karussel könnte man leicht von einem Pferd, Helikopter, Auto oder Motorrad erwischt werden. Sicherheitsvorgaben gibt’s hier wohl eh nicht, es funktioniert ja sowieso.

Einer von zig Süssigkeitenständen, wir haben uns gut durchprobiert!
Einer von zig Süssigkeitenständen, wir haben uns gut durchprobiert!

Ruta de las Flores

Für den zweiten Tag mieteten wir einen Roller, um die Ruta de las Flores zu erkunden. Leider sahen wir nicht mehr wahnsinnig viele Wildblumen, aber wir konnten uns vorstellen, wie es zwei/drei Wochen früher ausgesehen haben musste. Mit dem Roller holperten wir über die Kopfsteinpflasterstrassen eines Städtchens und bewunderten im Vorbeifahren die Street Art Wandbilder.

Ganz am Ende der Ruta de las Flores besuchten wir Los Ausoles. Wegen der Vulkanaktivität sieht man zwischen den Steinen immer wieder Dampf aufsteigen. Gelbe Schwefelablagerungen leuchteten unter unseren Füssen und wir hielten wegen des Gestanks immer wieder die Luft an. Ganz hinten sah man wie der Schlamm kochte und vor sich hin blubberte.

Schwefelablagerungen am Boden schmückten den Weg.
Schwefelablagerungen am Boden schmückten den Weg.

Wir fuhren weiter und machten Halt beim Café Albania. Das Essen war enttäuschend und völlig überteuert. Das Café Albania ist eigentlich ein kleiner Vergnügungspark. Wir nahmen uns das grosse Labyrinth vor. Alex’ Theorie, immer am rechten Rand entlang zu laufen und so sehr schnell in die Mitte zu kommen ging leider nicht auf. Also gingen wir immer der Linken Wand entlang, über eine Stunde irrten wir durch die Gänge und kamen der Mitte nur einmal nahe. Dann haben wir es doch ohne Taktik versucht, ohne Erfolg. Irgendwann sahen wir eine kleine Gruppe, die von einem Mitarbeiter angeführt wurde und wir schlossen uns an. Mit dieser Hilfe kamen wir ruckzuck in der Mitte an und konnten die Glocke läuten. Auf dem Weg zurück kannten wir die Ecken schon ziemlich gut und fanden recht schnell wieder raus.

Regenbogenrutsche!
Regenbogenrutsche!

Danach rutschten wir für viel zu viel Geld über die Instagram-berühmte Regenbogenrutsche. Sie war erstaunlich schnell und wir hatten ein Riesengaudi. Zurück in Juayúa wollten wir wieder Street Food essen. Plötzlich sahen wir eine der merkwürdigsten Paraden unseres Lebens: Bunt geschmückte Wagen, auf denen Kinder in Kleidchen und Anzügen standen und brav winkten. Am hinteren Ende jedes Wagens stand eine Miss aus einem der Barrios (=Quartier) der Stadt mit einem Glitzerdiadem, Abendkleid und einem eingefrorenen Lächeln. Von Zeit zu Zeit warfen die Damen Süssigkeiten oder Spielzeug in die Menge. Auf dem letzten Wagen sass die Miss aus dem Altersheim und winkte. Die ganze Parade wurde angeführt von Böllern, die einer immer wieder aus der Hand gezündet und in dem Himmel jagte.

Einer der ersten Wagen der Parade. Je nachdem was verteilt wurde (Süssigkeiten oder Spielzeug), gabs mehr oder weniger Leute die daneben mitliefen.
Einer der ersten Wagen der Parade. Je nachdem was verteilt wurde (Süssigkeiten oder Spielzeug), gabs mehr oder weniger Leute die daneben mitliefen.

Später überzeugte Alex Fabienne, dem Riesenrad eine Chance zu geben. Was für ein Fehler(Fabienne) - Was für ein Spass (Alex)! Wir waren die letzten die einstiegen und schon bald drückte der Betreiber aufs Gaspedal. Ja richtig, aufs Gaspedal. Das Riesenrad wurde nämlich von einem Toyota Motor und einem Kettenantrieb bewegt und das nicht langsam. Die Kabinen schaukelten heftig und das Gekreische der Passagiere war weit herum zu hören. Alex’ Magen wollte direkt danach gefüttert werden und wir schauten schadenfreudig den nächsten Opfern des Riesenrads zu.

Toyota treibt die Welt an, auch ein Riesenrad gehört dazu.
Toyota treibt die Welt an, auch ein Riesenrad gehört dazu.

Das Riesenrad von aussen, die Gondeln schaukeln mehr wenn der Fahrer aufs Gas drückt.
Das Riesenrad von aussen, die Gondeln schaukeln mehr wenn der Fahrer aufs Gas drückt.

Danach schlenderten wir mit einer Tüte Pommes durch die Strassen und liessen uns von der Menge mitziehen. Wir landeten auf einem Fussballfeld, wo ein Konzert stattfand. Die Musik war nicht wirklich unser Geschmack und nach einer Weile kehrten wir ins Hostel zurück.

Festival del Christo Negro

Den letzten Tag verbrachten wir hauptsächlich mit Recherchieren, Texte schreiben und entspannen auf der Dachterrasse. Gegen Abend gingen wir wieder in die Stadt, denn an diesem Tag würde der schwarze Jesus aus der Kirche durch die Stadt gefahren werden. Der Umzug endete bei der Kirche und Feuerwerk wurden am Wagen gezündet. Danach gab es ein gigantisches Feuerwerk, das fast 20 Minuten dauerte. Ohne jegliche Sicherheitsabstände wurden die bunten Geschosse direkt vor der Kirche abgefeuert. Mehr als einmal fiel uns Abfall der Raketen auf den Kopf oder husteten wir wegen des starken Rauchs.

Feuer Frei! 20m vor uns ging das Feuerwerk ab.
Feuer Frei! 20m vor uns ging das Feuerwerk ab.

Während wir uns noch fragten, wie es weitergehen würde, hörten wir plötzlich Schreie. Ein Mann mit einem hölzernen Gestell, welches einen Stier darstellte, rannte durch die Menge. Ach ja, und am Gestell war Feuerwerk befestigt, das abbrannte. Die Menschen brachten sich im Gebüsch, hinter Ständen und hinter einander vor den Funken in Sicherheit. Noch zwei, dreimal wurde Feuerwerk nachgeladen und auch wir rannten lachend hinter die Rosenbüsche des Parks. Anscheinend ist dieser Brauch in ganz Zentralamerika bekannt.

Der Stier stürmt durch die Menge auf dem Hauptplatz!
Der Stier stürmt durch die Menge auf dem Hauptplatz!

Anschliessend hörten wir noch einem DJ zu, der auf einer Bühne direkt neben der Kirche auflegte. Sogar ein paar Nonnen tanzten zu der Musik, die man am besten als christlichen Techno bezeichnen kann.

Wie langweilig sind im Vergleich zum Festival del Christo Negro die christlichen Bräuche in der Schweiz?!

San Miguel

Ein langer Reisetag stand uns als nächstes bevor. Nach knapp 7h, drei Bussen, einem Uber in San Salvador und einer Fahrt quer durch El Salvador kamen wir in San Miguel an. Auch um 16:30 abends fühlten wir uns noch wie in einem Backofen und wir waren erleichtert, dass unser Doppelzimmer eine Klimaanlage hatte. San Miguel war für uns nur ein Zwischenstopp und wir verbrachten nur eine Nacht in der Stadt. Normalerweise essen wir nie in Fastfood-Ketten. In San Miguel machten wir aber eine Ausnahme für Pollo Campestre. Diese Kette wurde in San Miguel gegründet und das frittierte Poulet hier sei das beste in ganz Zentralamerika, hatten wir gehört. Am witzigsten fanden wir den Servier-Roboter, der uns das Essen brachte. Wir wurden nicht enttäuscht, das Poulet war saftig, die Panade knusprig und würzig und auch die Pommes überzeugten Fabienne.

El Cuco

Die Aussicht vom Hotel oben, es war den Preis trotzdem nicht wert!
Die Aussicht vom Hotel oben, es war den Preis trotzdem nicht wert!

Nur eine 1,5 stündige Busfahrt von San Miguel entfernt liegt das Dörfchen El Cuco an der Pazifikküste. Dort kamen wir zum ersten Mal auf unserer Reise in einem Hotel unter, weil es keine Hostels oder Airbnbs gab. Unser Budget wurde gesprengt und mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis waren wir überhaupt nicht zufrieden. Toll fanden wir die Aussicht vom Hügel über das Meer und die lange Treppe, die direkt an den breiten und fast menschenleeren Strand führte. Wieso kamen wir überhaupt nach El Cuco? Hier, also 20min richtung Norden, am Abzweiger der Hauptstrasse, würde uns der Shuttle abholen, damit wir via Honduras nach Nicaragua reisen konnten. Wie wir den langen Tag mit zwei Grenzübertritten erlebt haben, lest ihr im nächsten Beitrag über León.

Bonus GIF: Der Stier feuert ab!
Bonus GIF: Der Stier feuert ab!

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

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