Mindo, Baños und Cotopaxi: Im Hochland Ecuadors
Wir reisen kreuz und quer durch das Hochland Ecuadors. Dabei rösten wir Schokolade, fahren im strömenden Regen Velo und kraxeln höher hinauf als jemals zuvor.
- Alex & Fabienne
- 7 min read
Mindo
Das kleine Städtchen Mindo liegt etwas nördlich von Quito. Nach einem kurzen Stop in einem Spital (Nachkontrolle beim HNO nach Alex’ Barotrauma auf den Galapagos Inseln) lud uns der Bus an der Hauptstrasse ab. Da weit und breit kein Taxi in Sicht war, nahmen wir wohl oder übel die Beine in die Hand. Zum Glück dauerte es keine fünf Minuten, bis ein Autofahrer auf unseren ausgestreckten Daumen reagierte und uns die 7km bis nach Mindo mitnahm.
Schokoladentour
Noch am gleichen Nachmittag machten wir eine Schokoladentour. Dabei konnten wir Früchte von verschiedenen Standorten probieren. Kakao ist neben Kaffee die einzige Pflanze, die Geschmacksnoten ihrer Nachbarspflanzen wie Bananen oder Zitrusfrüchten aufnimmt. Auf einem Spaziergang durch den Garten wurden uns verschiedene Kakaopflanzen gezeigt und wir rieben uns mit Zitronengras gegen die Mücken ein. Frischen Kardamom durften wir auch probieren - was für eine Geschmacksexplosion! Nachdem wir durchs Fenster die verschiedenen Schritte der Schokoladenproduktion erklärt bekamen, legten wir selber Hand an. Wir rösteten Kakaobohnen in einer Tonschale, schälten sie von Hand und mahlten sie zu einer groben Paste. Diese probierten wir pur, mit Rohrzucker, Zimt, Chili oder Kaffee, denn nur so erkennt man, ob die Schokolade wirklich von guter Qualität ist. Zum Schluss probierten wir noch verschiedene der hausgemachten Schokoladen und eine Barbecue-Sauce mit Schokolade. Zum Znacht gab es eine dickflüssige heisse Schokolade (die ungesüsst serviert wurde) und Cheesecake/Schokotörtchen.

Wanderung
Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Taxi zu einer Seilbahn, die uns über eine Schlucht brachte. Die offene Kabine fuhr in einem erstaunlichen Tempo am Drahtseil entlang! Von dort wanderten wir auf einem Weg zu insgesamt sieben Wasserfällen. Der Weg dorthin war spannender als die Wasserfälle selbst, aber wir sind spätestens seit Costa Rica ziemlich verwöhnt und Wasserfälle beeindrucken uns nicht mehr so leicht…
Am letzten Tag wollten wir eigentlich noch ein Schmetterlingshaus besuchen. Weil es den ganzen Tag regnete, blieben wir im Hostel und recherchierten / arbeiteten am Blog.
Baños
Nach einem Übernachtungszwischenstop in Quito fuhren wir mit dem Bus ins ebenfalls regnerische Baños, was analog zu San Gil in Kolumbien als Extremsportzentrum von Ecuador gilt. Dort assen wir in einem indischen Restaurant ein fabelhaftes Abendessen, bevor wir uns unter die dicken Decken kuschelten.
Velotour zum Pailón del Diablo

Der Hostelbesitzer versprach uns, dass es heute nur leicht nieseln sollte. Darum mieteten wir zwei Mountainbikes (eigentlich drei, weil wir Alex’ Exemplar wegen einer kaputten Bremsleitung der Vorderbremse austauschen mussten), um zum bekannten Wasserfall Pailón del Diablo zu fahren. Die Strecke entlang der Hauptstrasse war eher eintönig und die Lastwagen fuhren zum Teil sehr nahe an uns vorbei. Der immer stärker fallende Regen trug auch nicht zur allgemeinen guten Laune bei… Zum Glück hatten wir in weiser Voraussicht die Regenhosen eingepackt. Durch den ersten Tunnel fuhren wir noch hindurch, danach gab es jeweils ein kleines Strässchen für Velofahrer, das aussenrum führte (eines davon unter einem kleinen Wasserfall durch 💦). Nach einer Stunde kamen wir ziemlich nass an. Vom Veloparkplatz spazierten wir noch etwa 20 Minuten durch den Wald zum Wasserfall. Dieser führte wegen des vielen Regens der letzten Wochen wahnsinnig viel Wasser. Beim Posieren für Fotos wurden wir nochmals ordentlich nassgespritzt. Alex kroch durch einen schmalen Durchgang zu einem anderen Aussichtspunkt, und weiter bis hinter den Wasserfall, wo ihm heruntertropfendeslaufendes Wasser die noch trockenen Schuhe füllte. Fabienne wartete währendessen wegen ihrer Klaustrophobie. Es war ein sehr beeindruckender Besuch, der uns für die nasse Fahrt entschädigte.

Für den Rückweg luden wir unsere Velos in einen der wartenden Lastwagen. Wegen des miesen Wetters waren nur sehr wenige Touristen mit den Fahrrädern unterwegs und wir wurden des öfteren mit belustigten Blicken bedacht.
Völlig durchgefroren assen wir in einem Restaurant eine Suppe und verkrochen uns nach der heissen Dusche im Bett. Dieses verliessen wir erst am übernächsten Tag (natürlich mit Essenspausen) wieder - die Velotour hatte uns die Laune etwas vermiest. Wir fanden heraus, dass “Fascht e Familie” auf Play SRF verfügbar ist und schwelgten damit in Kindheitserinnerungen. Wer kennt diese legendäre SF-Freitagabend-Serie noch?
Spa Day
Unsere Pläne für Riverrafting oder Canyoning fielen wortwörtlich ins Wasser, da es zum Raften zu gefährlich und für uns zu kalt fürs Canyoning war. Wir verbrachten daher einen gemütlichen Tag in einem Spa. Wegen der heissen Quellen in Baños gibt es hier an jeder Ecke ein Spa. Wir begannen mit einem Dampfbad. Dazu setzten wir uns in eine Holzkiste, worauf die Tür geschlossen und oben ein Deckel zugeschoben wurde, so dass nur noch unser Kopf herausschaute. Innen konnten wir mit einem Hebel die Dampfmenge selbst wählen. Zum Abkühlen wurden wir dann mit kaltem Wasser übergossen. Nach dem zweiten Gang setzten wir uns in ein kaltes Bad, nach dem dritten Gang wurden wir wieder übergossen. Die letzte Abkühlung kam aus einem Gartenschlauch mit ziemlich viel Druck. Schon richtig enstpannt wollten wir die Poollandschaft geniessen. Wegen vieler Familien war es aber ziemlich laut und nach dem Dampfbad war das Wasser ziemlich kalt. Zum Schluss hatten wir noch eine Ganzkörpermassage gebucht, bei der wir beide zu verschiedenen Zeitpunkten eingeschlafen sind.
Leider konnte Baños unsere Erwartungen nicht wirklich erfüllen. Wir hatten aber auch wirklich Pech mit dem kalten und nassen Wetter.
Cotopaxi Nationalpark

Leider hatten wir bei der Buchung nicht realisiert, wie weit weg der Treffpunkt für den Transport zum Secret Garden Cotopaxi von Baños entfernt war. Unser Bus fuhr deswegen schon um 6.40 Uhr los. In Machachi hatten wir genug Zeit für ein kurzes Frühstück (Bolón - ein frittiertes Bällchen aus Yuca), bevor der Shuttle uns ins Hostel brachte. Von dort hatten wir eine wunderschöne Aussicht auf die Landschaft, konnten Lamas mit Bananenschalen füttern und assen alle Mahlzeiten “Family Style” zur gleichen Zeit mit allen Gästen.
Wasserfall-Wanderung
Kurz nach der Ankunft gab es eine geführte Wanderung zu einem kleinen Wasserfall. Dafür mussten wir streckenweise ein wenig klettern, was aber nicht wirklich anspruchsvoll war. Dank der Gummistiefel konnten wir auch durch den Bach waten und direkt vor dem Wasserfall Fotos machen. Eine Mutige sprang sogar in das 7°C kalte Wasser. Spoiler: Fabienne war es nicht.
Cotopaxi-Basecamp

Am nächsten Morgen wurden wir mit einem Bus zum Cotopaxi-Vulkan gefahren. Das letzte Stück zum Basecamp wanderten wir durch das lockere Vulkangestein hoch (wir wurden kurz an den Acatenango erinnert, aber wir kamen einges leichter voran). Das Basecamp liegt auf 4864 m.ü.M. und wir kamen ziemlich ausser Puste an. Der Ehrgeiz hatte uns aber gepackt und wir nahmen noch die letzten 150 Höhenmeter bis zum Rand des Gletschers unter die Füsse. Der eisige Wind riss an unsern Mützen und kaum zeigte die Uhr unseres Guides 5000 m.ü.M. an, hielten wir an. Alex gab sich damit nicht zufrieden und kletterte noch ein wenig höher, weil seine Uhr eine andere Zahl anzeigte. Wir rutschten über den Schnee wieder zum Basecamp, wo wir kurz Zeit für eine Pause hatten, bevor wir zurück zum Bus liefen. Wir fuhren ein kleines Stück den Berg runter und wechselten dann auf Mountain-Bikes “Jumbo-Velos”, mit denen wir über die Strasse ins Tal bretterten. Was für ein Spass!
Völlig erschöpft kamen wir zurück ins Hostel, wo wir einen gemütlichen Nachmittag verbrachten. Die Wolkendecke hatte sich gelichtet und wir hatten eine klare Sicht auf den Gipfel des Cotopaxis, der die letzten Tage immer hinter grauen Schleiern versteckt geblieben war. Gegen Abend ergatterten wir uns einen Platz im Jacuzzi.

Ausritt im Nationalpark

Vor der Abreise hatten wir genügend Zeit für eine letzte Aktivität. Fabiennes Kindheitsträume gingen in Erfüllung, denn wir hatten einen Ausritt gebucht. In einer kleinen Gruppe ritten wir knappe drei Stunden bei strahlendem Sonnenschein durch den Nationalpark. Die wunderschöne Landschaft konnten wir im gemütlichen Tempo geniessen. Fabiennes Pferd stolperte ungefähr gleich oft wie sie im Alltag und Alex’ war eines der gemütlichsten der Gruppe. Auch eine Flussdurchquerung und damit nasse Füsse machten unserer guten Laune keinen Abbruch. In der Znünipause gab es warmen Tee und Kuchen und am Schluss trabten wir die letzten Kilometer.

Auch wenn es ein ziemlich teurer Abstecher war, hat er sich 100%ig gelohnt, wir haben eine tolle Zeit verbracht und viele nette Leute kennengelernt! Unser nächster Halt bringt uns kurz zurück nach Quito, bevors wir in den Amazonas weiterziehen.
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