Volunteering im Nebelwald von Nicaragua
Wir fahren gefühlt ans Ende der Welt, wo wir auf der Finca Neblina del Bosque auf 1400 m.ü.M. aushelfen. Es ist ein sehr schöner Ort, mit vielen Pflanzen und Vögeln. Wenn es nur nicht ganz so nass gewesen wäre.

- Alex & Fabienne
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Beschwerliche Ankunft
Von Strand in Las Peñitas fuhren wir mit einem Bus zurück nach León. Dort nahmen wir ein Taxi zum Busbahnhof, wo wir uns ein schnelles Frühstück aus Reis und Bohnen (und Ei für Alex) holten. In einem Microbus - in Mexiko wäre das ein Colectivo - fuhren wir nach Estelí. Dort stiegen wir in einen anderen Bus, der schon sehr voll war und holperten schon bald über eine unbefestigte Strasse. Diese schlängelte sich durch den dichten Wald und liess immer wieder Menschen mit Wocheneinkäufen aussteigen. Irgendwann konnten wir nebeneinander sitzen und staunten, dass diese ehemalige Schulbus sogar durch einen Fluss fuhr.
Als es zu regnen begann machten wir uns langsam Sorgen um unsere Rucksäcke auf dem Dach und fühlten uns an die Fahrt nach El Retiro in Guatemala erinnert. Zum Glück nieselte es nur leicht und wir kamen nach mehr als 2 Stunden Buckelpiste bei der Finca an. Der Nebel kroch langsam heran und wir zogen schnell wärmere Kleider an, denn von den 32-34°C am Strand war die Hälfte durch den Höhenanstieg und den Wind verloren gegangen.
Arbeit auf der Finca
Unser erster Arbeitstag begann schon vor dem Frühstück. Claudio, ein Mitarbeiter der Finca, zeigte uns die Kaffeeplantage. In der Permakultur wachsen die Kaffeepflanzen unter den Bananenstauden, neben anderen Büschen und Blumen. Mit einem Eimer bewaffnet erklärte er uns, wie die reifen roten Kaffeebeeren gepflückt werden müssen. Da es in der Nacht geregnet hatte, waren die Büsche noch klatschnass und Fabienne war froh, ihre Regenhose angezogen zu haben. Wir verbrachten eine Stunde mit Pflücken, bevor wir zum Frühstück gerufen wurden. Danach machten wir weiter und freuten uns über die Sonne, die immer öfter durch die dichten Wolken drang. Am Ende unserer Schicht war der Eimer fast voll und wir stürzten uns auf das Mittagessen.
Der Nachmittag war frei und wir holten einige Blogbeiträge nach. Am Abend sassen wir dick eingemummelt am Tisch und tauschten mit einem Freiwilligen, der gut Englisch sprach, unsere Lieblingstraditionen aus der Heimat aus. Er lachte über den Brauch des Bööggs aus Zürich und wir staunten über die mit Feuerwerk gefüllten Puppen aus alten Kleidern zu Silvester in Nicaragua.
Herbstwetter
Auch am nächsten Morgen war das Wetter grässlich: dicker Nebel, ein eisiger Wind und Dauerregen. Wir bemerkten, dass all unsere Kleider und die Rücksäcke feucht bis nass waren und fluchten über die hohe Luftfeuchtigkeit. Zwischen dem Dach und den Mauern war eine etwa 20cm hohe Lücke und im Schlafraum zog es deswegen konstant. Das Kaffeepflücken wurde wegen des schlechten Wetters durch Putzen ersetzt. Mit alten Lappen wischten wir die Decke des Aufenthaltsbereichs ab. Moos, tote Insekten und Unmengen an Staub und Dreck kamen uns entgegen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt.
Am Nachmittag liess der Regen nach und wir pflanzten mit Claudio Hortensienstecklinge auf dem Feld. Der Strom fiel aus und damit auch das Internet und die Wasserpumpen. Wenigstens konnte auf dem Gasherd gekocht werden und eine der Toiletten war ein einfaches Plumpsklo. Unsere Stimmung sank weiter, nicht wegen dem fehlenden Strom oder Internet, aber dass alles noch feuchter wurde und es dadurch ungemütlich war. Ebenso war die Besitzerin sehr unkommunikativ und die Stimmung irgendwie anders als wir uns das ganze vorgestellt hatten. Durch das nasse Wetter entdeckten Wespen das Zimmer für sich. Am einen Fenster sammelten sich täglich 5-10 Stück und die Nacht zuvor hatte Alex bereits eine auf dem Kopfkissen, während er einschlafen wollte. Glücklicherweise waren sie durch die Kälte irgendwie langsamer und so leicht zu fangen.
Planen der Abreise
Als wir auch am nächsten Morgen vom Regen und Nebel empfangen werden, teilt uns Claudio mit, dass wir heute keine Arbeit hätten. So verbrachten wir den Tag hauptsächlich im warmen Bett, wo wir lasen, Nickerchen hielten und über das Leben philosophierten. Am späten Nachmittag kam der Strom und somit WLAN und fliessendes Wasser zurück. Wir hatten inzwischen schon längst den Beschluss gefasst, früher abzureisen. Mit der Buchung der Unterkunft in Granada stieg unsere Vorfreude auf die heissen Temperaturen. Wir werden länger als geplant in Granada bleiben, um all unsere Kleidung zu trocknen. Wie die Stadt so ist und was wir bim Kajak fahren sehen, lest hier im nächsten Post zu Granada.
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