lang+lockig

Mit dem Rucksack auf Reise um die Welt

Volunteering im Nebelwald von Nicaragua

Wir fahren gefühlt ans Ende der Welt, wo wir auf der Finca Neblina del Bosque auf 1400 m.ü.M. aushelfen. Es ist ein sehr schöner Ort, mit vielen Pflanzen und Vögeln. Wenn es nur nicht ganz so nass gewesen wäre.

Alex & Fabienne avatar
  • Alex & Fabienne
  • 4 min read
Unsere normale Sicht. Teils auch nur ein Drittel so viel, besonders bei Nacht.

Beschwerliche Ankunft

Von Strand in Las Peñitas fuhren wir mit einem Bus zurück nach León. Dort nahmen wir ein Taxi zum Busbahnhof, wo wir uns ein schnelles Frühstück aus Reis und Bohnen (und Ei für Alex) holten. In einem Microbus - in Mexiko wäre das ein Colectivo - fuhren wir nach Estelí. Dort stiegen wir in einen anderen Bus, der schon sehr voll war und holperten schon bald über eine unbefestigte Strasse. Diese schlängelte sich durch den dichten Wald und liess immer wieder Menschen mit Wocheneinkäufen aussteigen. Irgendwann konnten wir nebeneinander sitzen und staunten, dass diese ehemalige Schulbus sogar durch einen Fluss fuhr.

Die Mehrheit der Strasse war so oder schlechter. Teilweise steil den Berg hinauf inkl. Flussdurchquerung.
Die Mehrheit der Strasse war so oder schlechter. Teilweise steil den Berg hinauf inkl. Flussdurchquerung.

Als es zu regnen begann machten wir uns langsam Sorgen um unsere Rucksäcke auf dem Dach und fühlten uns an die Fahrt nach El Retiro in Guatemala erinnert. Zum Glück nieselte es nur leicht und wir kamen nach mehr als 2 Stunden Buckelpiste bei der Finca an. Der Nebel kroch langsam heran und wir zogen schnell wärmere Kleider an, denn von den 32-34°C am Strand war die Hälfte durch den Höhenanstieg und den Wind verloren gegangen.

Der Eingang und Gemeinschaftsbereich der Finca.
Der Eingang und Gemeinschaftsbereich der Finca.

Arbeit auf der Finca

Unser erster Arbeitstag begann schon vor dem Frühstück. Claudio, ein Mitarbeiter der Finca, zeigte uns die Kaffeeplantage. In der Permakultur wachsen die Kaffeepflanzen unter den Bananenstauden, neben anderen Büschen und Blumen. Mit einem Eimer bewaffnet erklärte er uns, wie die reifen roten Kaffeebeeren gepflückt werden müssen. Da es in der Nacht geregnet hatte, waren die Büsche noch klatschnass und Fabienne war froh, ihre Regenhose angezogen zu haben. Wir verbrachten eine Stunde mit Pflücken, bevor wir zum Frühstück gerufen wurden. Danach machten wir weiter und freuten uns über die Sonne, die immer öfter durch die dichten Wolken drang. Am Ende unserer Schicht war der Eimer fast voll und wir stürzten uns auf das Mittagessen.

Alex am Kaffee pflücken, nur die Roten sollen es sein.
Alex am Kaffee pflücken, nur die Roten sollen es sein.

Eine pinke Bananepflanze (Musa velutina). Ist hier nicht heimisch fühlt sich aber trotzdem wohl.
Eine pinke Bananepflanze (Musa velutina). Ist hier nicht heimisch fühlt sich aber trotzdem wohl.

Der Nachmittag war frei und wir holten einige Blogbeiträge nach. Am Abend sassen wir dick eingemummelt am Tisch und tauschten mit einem Freiwilligen, der gut Englisch sprach, unsere Lieblingstraditionen aus der Heimat aus. Er lachte über den Brauch des Bööggs aus Zürich und wir staunten über die mit Feuerwerk gefüllten Puppen aus alten Kleidern zu Silvester in Nicaragua.

Ab und zue zeigte sich der blaue Himmel kurz.
Ab und zue zeigte sich der blaue Himmel kurz.

Herbstwetter

Auch am nächsten Morgen war das Wetter grässlich: dicker Nebel, ein eisiger Wind und Dauerregen. Wir bemerkten, dass all unsere Kleider und die Rücksäcke feucht bis nass waren und fluchten über die hohe Luftfeuchtigkeit. Zwischen dem Dach und den Mauern war eine etwa 20cm hohe Lücke und im Schlafraum zog es deswegen konstant. Das Kaffeepflücken wurde wegen des schlechten Wetters durch Putzen ersetzt. Mit alten Lappen wischten wir die Decke des Aufenthaltsbereichs ab. Moos, tote Insekten und Unmengen an Staub und Dreck kamen uns entgegen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt.

Die Hunde hatten ihre Freude am Wetter!
Die Hunde hatten ihre Freude am Wetter!

Am Nachmittag liess der Regen nach und wir pflanzten mit Claudio Hortensienstecklinge auf dem Feld. Der Strom fiel aus und damit auch das Internet und die Wasserpumpen. Wenigstens konnte auf dem Gasherd gekocht werden und eine der Toiletten war ein einfaches Plumpsklo. Unsere Stimmung sank weiter, nicht wegen dem fehlenden Strom oder Internet, aber dass alles noch feuchter wurde und es dadurch ungemütlich war. Ebenso war die Besitzerin sehr unkommunikativ und die Stimmung irgendwie anders als wir uns das ganze vorgestellt hatten. Durch das nasse Wetter entdeckten Wespen das Zimmer für sich. Am einen Fenster sammelten sich täglich 5-10 Stück und die Nacht zuvor hatte Alex bereits eine auf dem Kopfkissen, während er einschlafen wollte. Glücklicherweise waren sie durch die Kälte irgendwie langsamer und so leicht zu fangen.

Unser Zimmer nach drei Nächten, der Boden war bei Ankunft noch trocken.
Unser Zimmer nach drei Nächten, der Boden war bei Ankunft noch trocken.

Planen der Abreise

Als wir auch am nächsten Morgen vom Regen und Nebel empfangen werden, teilt uns Claudio mit, dass wir heute keine Arbeit hätten. So verbrachten wir den Tag hauptsächlich im warmen Bett, wo wir lasen, Nickerchen hielten und über das Leben philosophierten. Am späten Nachmittag kam der Strom und somit WLAN und fliessendes Wasser zurück. Wir hatten inzwischen schon längst den Beschluss gefasst, früher abzureisen. Mit der Buchung der Unterkunft in Granada stieg unsere Vorfreude auf die heissen Temperaturen. Wir werden länger als geplant in Granada bleiben, um all unsere Kleidung zu trocknen. Wie die Stadt so ist und was wir bim Kajak fahren sehen, lest hier im nächsten Post zu Granada.

Am letzten Abend haben wir doch noch ein Sonnenuntergang sehen dürfen.
Am letzten Abend haben wir doch noch ein Sonnenuntergang sehen dürfen.

Alex & Fabienne

Von Alex & Fabienne

Seit September 2024 sind wir auf Reisen. Gestartet in Mexiko zielen wir in Richtung Patagonien und kommen unserem Ziel Land um Land näher. Mit diesem Blog halten wir unsere Freunde und Familie zu Hause auf dem Laufenden.

Für dich empfohlen

Bocas Del Toro: Strandparadies der Karibik

Bocas Del Toro: Strandparadies der Karibik

Unser erster Halt in Panama führt uns auf die Inselgruppe Bocas del Toro. Hier verbringen wir wegen Krankheit wieder einmal ein paar Tage im Zimmer. Alex taucht zum ersten Mal ohne Fabienne und wir erkunden verschiedene mehr oder weniger abgelegene Strände wie aus der Reisebroschüre

Costa Rica: Roadtrip!

Costa Rica: Roadtrip!

Nach einer Pause sind wir mit einem Riesenbeitrag zurück! Mit 4x4, Dachzelt und Campingausrüstung bewaffnet machen wir zwei Wochen lang Costa Rica unsicher. Eiskalte Wasserfälle, magische Nebelwälder, heisse Quellen, Traumstrände und Wildtiere beherrschen unseren Alltag. Nicht jede Nacht ist erholsam, wir fluchen über den Wind und die Hitze aber haben trotzdem immer wieder Kneif-Mich-Momente im Pura Vida Land!